#briochecongelato â der Eis-Burger aus Sizilien erobert gerade Instagram. Ein sĂŒĂer Briocheknopf, gefĂŒllt mit Eiscreme. Nichts anderes ist der Brioche con Gelato. Hefeteig statt EistĂŒte also. Das musste ich unbedingt probieren. Ich mag Brioche und ich mag Eis, also warum nicht beides zusammen? Mein ResĂŒmee nach dem Selbstversuch: Sollte man probiert haben! So ein Gelato-Burger sieht nicht nur beeindruckend aus, sondern schmeckt köstlich. Auch unsere Freunde waren entzĂŒckt von der Kombination.
FrĂŒhstĂŒcken im SĂŒden und bei uns ist nicht vergleichbar. WĂ€hrend bei uns Schinken, KĂ€se, Ei, Butter und Marmelade auf den Tisch kommen, trinkt man in Italien morgens nur einen Espresso. Unterwegs, im Stehen. Bestenfalls noch einen Cappuccino oder Latte. Punkt. Dazu gibt es maximal ein sĂŒĂes Cornetto, ein Hörnchen mit Marmelade- oder SchokoladefĂŒllung. In Sizilien gibts zum Kaffee ein Brioche colTuppo, ein Briocheweckerl mit „Tupfer“, einer Kugel obenauf. Mancherorts auch schneckenartig aufgerollt. Damit der Tuppo beim Aufgehen nicht einsinkt, wird der Hefeanteil im Vergleich zu andern Hefeteigen reduziert. Zitronenschale und Vanille verleihen dem GebĂ€ck den besonderen Duft. Ob mit Butter oder Ăl, frischer oder Trockenhefe, mit Marsala oder ohne … Ăhnlich wie bei unserem Hefezopf hat hier jede+r ein Geheimrezept.
Ich habe die Brioches nach einem sizilianischen Rezept meiner Freundin Elisabetta gebacken, die aus Neapel stammt (das dereinst ja zu GroĂsizilien gehörte). Sie hat ĂŒbrigens gerade ein sehr persönliches Buch ĂŒber „Neapel abseits der Pfade“ herausgebracht, das ich Italien-Liebhabern nur empfehlen kann. Man kann natĂŒrlich auch Briocheknöpfe vom BĂ€cker verwenden. Allerdings sollten diese innen relativ fest sein, damit sie nicht gleich matschig werden.
Eis aufpeppen
Die Eiscreme fĂŒr die FĂŒllung meiner Brioches con Gelato habe ich selbst gemacht, naja, eher selbst aufgepeppt. Das heiĂt, ich habe fertiges Vanilleeis mit FrĂŒchten variiert. Einmal Kirscheis mit klein geschnittenen Kirschen und Kirschsaft, einmal Himbeereis mit frischen Himbeeren und gefriergetrocknetem Himbeerpulver fĂŒr die rosa FĂ€rbung und die dritte Portion Vanilleeis habe ich mit Rosenwasser und RosenblĂŒten aromatisiert. Ein Rezept fĂŒr ein selbst gemachtes Roseneis (Foto) fĂŒr die Eismaschine gibt es hier.
Brioche con Gelato â am Teller oder in der TĂŒte?
FĂŒr den Familiennachtisch habe ich die aufgeschnittenen Brioches zum SelberfĂŒllen samt Eisbox und Eisportionierer einfach auf den Tisch gestellt. Beim Eis sind die GeschmĂ€cker ja bekanntlich verschieden. Ich mag Vanilleeis, mein Mann Schokoladeneis, meine Sohn Fruchteis … Und dann wieder umgekehrt? Eben!
Ob Eis-Burger in Sizilien tatsĂ€chlich bereits zum FrĂŒhstĂŒck serviert werden, kann ich nicht sagen. Warum auch nicht? An heiĂen Sommertagen durchaus vorstellbar. Ich habe meine Brioche con gelato als Nachspeise gereicht. Auf einem Teller UND in einer PapiertĂŒte. So kann man den Eis-Burger gut in die Hand nehmen und man kleckert sich beim ReinbeiĂen nicht von oben bis unten voll.
Auf Instagram gilt ĂŒbrigens: Je gröĂer die Brioches, desto mehr Likes …
Rosenbadesalz mit Rosenöl entspannt Körper und Geist gleichermaĂen. Das Ă€therische Rosenöl duftet herrlich, die RosenblĂŒten streicheln die mĂŒde Haut und machen Baden zum Genuss.
Selbst gemachtes Badesalz ist im Unterschied zu gekauftem garantiert palmölfrei und ohne bedenkliche Farbstoffe oder Parfums. AbgefĂŒllt in transparenten kleinen FlĂ€schchen ist es wunderschön anzuschauen und ein perfektes Mitbringsel. Entspannung zum Verschenken!
Badesalze bestehen aus nur vier Grundzutaten: Salz, Natron, Pflegeöl und einem Ă€therischen Ăl. Das ganze wird einfach vermischt und fertig. FĂŒrs Auge können noch KrĂ€uter oder BlĂŒten untergemengt werden. Kindereinfach also.
Die Hauptzutat Salz sollte möglichst grobkörnig sein, zum Beispiel grobes Meersalz oder Totes-Meer-Badesalz, Steinsalz, Bittersalz oder Glaubersalz bzw. eine Mischung aus diesen. Natron ist in DrogeriemĂ€rkten in gröĂerer Verpackung erhĂ€ltlich und wird fĂŒr die bessere Reinigungswirkung untergemengt.
Als hautpflegende, beruhigende Komponete kommt ein TrĂ€geröl hinzu: Argan-, Avocado-, Kokos-, Mandel- oder Jojoba-Ăl, notfalls auch ein gutes Olivenöl.
Als Ă€therisches Ăl verwende ich kostbares Rosenöl aus Bulgarien oder Persien, welches ich selbst auf meinen Rosenreisen eingekauft habe. Es verleiht meinem Badesalz den wohligen Duft. QualitĂ€tsvolle naturreine Rosenöle bietet beispielsweise die Vorarlberger Firma feeling.
Schlussendlich kommen noch gut getrocknete rosa oder rote RosenblĂŒten hinzu. Wer keinen eigenen Rosengarten hat, kann diese im Reformhaus kaufen.
FĂŒr eine schöne bunte FĂ€rbung des Rosenbadesalzes eignen sich pulvrige oder auch flĂŒssige Seifenfarben bzw. Rote-Bete-Pulver (fĂŒr rosa oder rot). Dabei achte ich besonders darauf, dass die Farben ohne kĂŒnstliche FarbzusĂ€tze hergestellt sind.
Rosenbadesalz mit Rosenöl â zum Verschenken
AbgefĂŒllt in gut verschlieĂbaren GlĂ€sern oder durchsichtigen Lotion-FlĂ€schchen hĂ€lt der Badezusatz lange Zeit und sorgt garantiert fĂŒr unvergessliche Bademomente. FĂŒr ein Wannenbad reichen etwa fĂŒnf Esslöffel voll.
Lust auf weitere DIY-Rosenprodukte?
Ob fĂŒrs eigene Entspannungsbad oder zum Weiterschenken â Badepralinen mit Rosenöl kann man ebenso einfach selber zubereiten. Die Anleitung findet ihr hier.
Ein bis zwei Badepralinen ins Wasser legen und los blubbern ⊠Sie sprudeln und schÀumen fantastisch und duften aufgrund des Àtherischen Rosenöls ebenso intensiv wie das Rosenbadesalz.
Also jetzt im Sommer ausreichend Rosen trocknen, dann hat man den ganzen Winter ĂŒber VorrĂ€te fĂŒr Wellness-Produkte oder Duftpotpourris zur Hand. Eure sugar&rose
âPorridge? Jetzt im Sommer? Die Hitze ist ohnehin kaum zu ertragen.â â Ja, gerade im Sommer! Weil wir bei der Hitze eher kalte Speisen essen, ist eine warme Mahlzeit am Morgen, die langanhaltende Energie gibt, sehr empfehlenswert. Anstelle von GewĂŒrzen habe ich dem Sommer-Porridge essbare BlĂŒten beigemengt und dafĂŒr mitten in der Stadt einen bunten WiesenblumenstrauĂ gepflĂŒckt.
Das Sommer-Porridge mit Wiesenblumen schmeckt aber auch kalt hervorragend. Und so geht mir auch an heiĂen Tagen die Energie nicht aus, wenn ich mir mittags nur einen kĂŒhlen Salat gönne oder das Essen ganz auslasse.
Essbare Wiesenblumen & WildkrÀuter mitten in der Stadt
In jeder Stadt gibt es öffentliche Wiesen, StrĂ€ucher und auch ObstbĂ€ume, wo man Blumen, KrĂ€uter und Obst ernten und sammeln kann. Diese Planzen wachsen nicht nur am Stadtrand, sondern auch mitten in der Stadt. Man muss nur genau hinschauen! Frische BlĂŒten und KrĂ€uter ohne lange Transportwege, ohne Verpackung und obendrein kostenlos.
WildkrĂ€uter und WildgemĂŒse haben meist weit mehr gesunde Vitalstoffe als gekaufte oder im Garten gezogene KulturkrĂ€uter. Brennnesseln zum Beispiel haben doppelt soviel Eisen wie Spinat, Hagebutten siebenmal mehr Vitamin C als Zitronen. Klarerweise sollten diese nicht direkt an StraĂenrĂ€ndern oder an belasteten Standorten (Hundezonen, stark gedĂŒngten Wiesen oder in FriedhofsnĂ€he) gepflĂŒckt werden.
Meinen BlĂŒtenstrauĂ habe ich beispielsweise auf den SteinhofgrĂŒnden mitten in Ottakring gesammelt. Nachhaltiger gehtâs nicht.
Es gibt natĂŒrlich auch giftige Wildpflanzen. FĂŒr den Anfang sollte man nur Pflanzen sammeln, die man auch bestimmen kann. Wenn noch keine BlĂŒtenstĂ€nde zu sehen sind oder man sich nicht sicher ist, sollte man sie lieber stehen lassen. Es gibt tolle Apps zur Pflanzen-Bestimmung.
Kamille, Löwenzahn, Schafgarbe, Wiesenklee, Glocken- und Kornblumen kennen die meisten. Auch Holunder und Brennnesseln sind leichte AnfÀnger-Beute. Also Augen auf beim nÀchsten Spaziergang!
Meine Ausbeute: violett-purpurfarbene Wiesen-Flockenblumen, blau-violette Vogel-Wicken mit traubigen BlĂŒtenstĂ€nden, fliederfarbene Acker-Witwenblumen, Rotklee und gelber Gewöhnlicher Hornklee.
(Die zartrosa Wicken im StrauĂ am Bloganfang sind nur Dekoration und sind nicht zum Verzehr geeignet.)
Kaltes Sommer-Porridge mit Wiesenblumen
Porridge kennen wir als wĂ€rmendes WinterfrĂŒhstĂŒck. Laut TCM (Traditionell Chinesischer Medizin) gibt es wĂ€rmende, kĂŒhlende und neutrale Lebensmittel. Ziel ist es, eine Balance im Körper zu schaffen. Haferflocken zĂ€hlen zu den neutralen Lebensmitteln, rohes Obst, insbesondere SĂŒdfrĂŒchte, zu den kĂŒhlenden.
Die wĂ€rmenden GewĂŒrze wie Zimt und Ingwer bleiben beim Sommer-Porridge natĂŒrlich auĂen vor. Die zuckerhĂ€ltigen Bananen werden durch frische Beeren, Kirschen, Pfirsiche und Marillen ersetzt.
Ein zusĂ€tzlicher EiweiĂ-Kick im FrĂŒhstĂŒck ist immer fein, ganz besonders im Sommer. Daher mische ich gerne einen Esslöffel Hanfsamen oder Sonnenblumenkerne unter.
Sirup und bunte BlĂŒten als Topping
Ein Löffelchen Sirup macht glĂŒcklich und mein kaltes Sommer-Porridge ganz besonders lecker.
Ob mit Holunder-, Rosen-, Ahorn- oder KokosblĂŒtensirup oder gĂ€nzlich ungesĂŒĂt, bleibt jedem ĂŒberlassen. Selbst gemachter Löwenzahnhonig oder -sirup passt zum Sommer-Porridge mit WiesenblĂŒten besonders gut.
Gelb, rot, blau und grĂŒn dazu die BlĂŒten: Löwenzahn, Rotklee, Kornblumen und das GrĂŒn der weiĂen Schafgarbe.
Einen energiereichen Start in die nĂ€chste heiĂe Sommerwoche wĂŒnscht euch sugar&rose.
Die nĂ€chste Hitzewelle rollt an und die Erdbeerzeit neigt sich dem Ende zu. Erdbeeren mögen Sonne, aber keine Hitze oder Trockenheit. Also schnell zugreifen und einkochen! Ich habe euch fĂŒr die kommenden heiĂen Tage fĂŒnf erfrischende Erdbeerrezepte zusammengestellt und eine herrliche Mehlspeis‘ mit Erdbeeren. Wenn die ersten Erdbeeren rote Wangen bekommen, beginnt fĂŒr mich der Sommer. Nix geht ĂŒber frisch gepflĂŒckte aus dem Garten oder direkt von den regionalen Erdbeerfeldern. Nicht die mit dem Flugzeug angereisten wĂ€ssrigen Dinger! Heuer sind sie besonders sĂŒĂ und geschmackvoll. ZunĂ€chst der warme April, dann der kĂŒhle Mai, perfekte Bedingungen also. Bei mir gibtâs gerade ausschlieĂlich Erdbeer-Nachspeisen. Bei der Dauerhitze möglichst unaufwendig und erfrischend, vom KĂŒhlschrank auf den Tisch!
1. Erfrischender Topfenkuchen mit Skyr und Erdbeeren
Topfenkuchen schmeckt nicht nur warm, sondern auch gekĂŒhlt groĂartig. Mit Erdbeeren und einer Portion Skyr â oder alternativ einer Mischung aus Topfen und Joghurt â ein echter Frischekick. Vielleicht noch mit RosenblĂŒten und MandelblĂ€ttchen dekorieren, fertig.
Erdbeeren und Rhabarber â fĂŒr mich die beste Kombi ĂŒberhaupt. Ob als kĂŒhles Kompott oder zur Abwechslung als Jelly. Aromatisiert mit Holunder- oder Rosensirup und serviert direkt in der Reinâ (Pfanne mit Griffen). Jeder nimmt sich, so viel er will und mag. Halbgefroren aus dem TiefkĂŒhler ist das Erdbeer-Rhabarber-Gelee an Hitzetagen ebenso erfrischend wie Eiscreme â und bei weitem kalorienĂ€rmer!
Joghurt und Topfen mit etwas Obers oder Quimiq und einer dicken Erdbeer-Fruchtschicht. Am Vortag oder in den noch kĂŒhleren Morgenstunden zubereitet, in GlĂ€ser gefĂŒllt und ab in den KĂŒhlschrank. Zeitsparend, optimal vorzubereiten, direkt vom KĂŒhlschrank auf den Tisch! „HeiĂer“ Tipp: ein Löffelchen Fragolino-Likör zu den Erdbeeren â und schon gehen die Mundwinkel der GĂ€ste weit nach oben. đ
An besonderen Wochenenden oder zu Feiertagen gibt es mehrere Schichten in kleinen Gugelhupfförmchen. Schichtgugel sozusagen. Eine Schicht Erdbeerjelly, eine Rosenjelly, dann eine Erdbeer-Cheescake-Schicht und zum Abschluss eine Kuchenabdeckung. Kuchenreste aus dem TiefkĂŒhler sparen Zeit und machen die Gugel noch ein StĂŒck weit erfrischender.
Diese Tarte ist zugegebenermaĂen etwas aufwendiger. An heiĂen Tagen will man aber nicht stundenlang in der KĂŒche stehen. Warum dann dieses Rezept? In Etappen zubereitet, macht auch dieses Törtchen keinen Stress. Denn MĂŒrbteig und weiĂe Parisercreme können ohne weiteres am Vorabend zubereitet werden und im KĂŒhlschrank rasten. Oder auch zwei Tage frĂŒher, denn die Tarte kann ebenso einen Tag im KĂŒhlschrank chillen. GekĂŒhlt schmeckt sie ohnehin am besten.
Manchmal darf es aber trotz Hitze auch eine warme Mehlspeis sein. Ein (echter) Wiener verzichtet auch im Sommer nicht auf seinen Auflauf. Ob mit Erdbeeren, Rhabarber, Kirschen oder Marillen. Am allerbesten schmeckt er direkt aus der Rein‘. Und sollte tatsĂ€chlich was ĂŒbrig bleiben, kann der Auflauf natĂŒrlich auch kalt gegessen werden. Eure sugar&rose
Persien zur RosenblĂŒte â Wörter, die Bilder im Kopf malen, mĂ€rchenhafte Bilder aus 1001 Nacht. Rosenfelder, prĂ€chtige GĂ€rten, vielfĂ€ltige Naturlandschaften, beeindruckende KulturdenkmĂ€ler. Als Rosenliebhaberin muss man zumindest einmal ins Ursprungsland der Rosenöl-Gewinnung. Ich habe immer noch den Duft der Damaszenerrosen vom bulgarischen Tal der Rosen in Erinnerung. Auf nach Persien zur RosenblĂŒte, nach Schiraz, in die Stadt der Nachtigallen und der Rosen!
Oben: Arg-e Karim Khan Zitadelle, der schiefe Turm von Schiraz, und die Jame Abassi Moschee in Isfahan; unten: Persepolis und die Si-o-se Pol BrĂŒcke mit Schneewittchen-Rose
Seit Jahrtausenden ist die Rose Bestandteil der persischen Kultur. Rösenöl- und Rosenwasser-Gewinnung haben hier ihren Ursprung. Rosen begegnet man im Iran auf Schritt und Tritt â nicht nur auf den Rosenfeldern, sondern auch ornamental. Auf tausenden Kacheln, Wandmalereien, in Moscheen, auf Keramiken, TĂŒchern und Teppichen. Rosenwasser ist Bestandteil vieler persischer SĂŒĂspeisen, wird ErfrischungsgetrĂ€nken beigemengt oder findet in medizinischen wie kosmetischen Produkten Verwendung.
Oben: Rosenfelder nahe Kaschan, Nische in der Rosenmoschee von Shiraz; unten: Kacheln mit Rosen, frische und getrocknete BlĂŒten der Rose „Mohammadi„
Persien zur RosenblĂŒte â unterwegs mit Gleichgesinnten
Anfang bis Mitte Mai war ich zusammen mit einer Gruppe Gleichgesinnter auf den Spuren des alten Perserreichs unterwegs. Frauen mĂŒssen im Iran in der Ăffentlichkeit langĂ€rmelige, bis zur Oberschenkelmitte reichende Oberteile und ein Kopftuch tragen. Daran fĂŒhrt kein Weg vorbei. AnfĂ€nglich mehr als gewöhnungsbedĂŒrftig, besonders bei Temperaturen ĂŒber 30 Grad â bis wir den Formenreichtum der angebotenen TĂŒcher und Schals entdeckten und mittels Haarklammern das Fixieren heraus hatten. Ab da fragten wir uns morgens nicht: „Was ziehe ich heute an?“, sondern „Welches Tuch trage ich heute?“
Unsere botanisch interessierte Gruppe aus Ăsterreich, Deutschland und der Schweiz (Persien zur RosenblĂŒte)
Begleitet wurden wir von der steirischen Gartenexpertin Angelika Ertl-Marko (Oliva-Reisen). Die KulturschÀtze seines Landes zeigte uns Amir Nazari.
Links: Angelika Ertl im Kaiserkronen-GlĂŒck; rechts: unser hervorragender Reiseleiter Amir Nazari mit enormem kunsthistorischen Wissen und rhetorischem Talent in Bezug auf die Botanik
Teheran: selbstbewusst, laut & umgeben vom schneebedeckten Elburs-Gebirge
Die Reise beginnt im farbenfrohen Teheran. Nach einem historischen Ăberblick ĂŒber die Ă€lteste Zivilisation zwischen Orient und Okzident im Nationalmuseum besichtigen wir den Golestan-Palast mit angrenzendem Park. Rosen auf Fliesenmosaiken, an den PalastwĂ€nden, Rosen im Garten und im Museum, auf Rosenporzellan und GebrauchsgegenstĂ€nden. Vom ersten Tag an begleiten uns in Persien zwei Rosen. Der weiĂen Strauchrose Schneewittchen und der orange-roten Beetrose „Krambambuli“ (deren ZĂŒchternamen ich leider noch nicht herausgefunden habe) begegnen wir in allen StĂ€dten.
Der Golestan-Palast in Teheran, Regierungspalast der Kadscharen, mit SpiegelsĂ€len und kunstvollen RosenkachelnDie weiĂe Schneewittchen-Rose und Yuccas mit meterhohen BlĂŒtentriebenDie Rose „Krambambuli“ mit leuchtend rot-orange-gelben Farben und offenen StaubgefĂ€Ăen
Den fĂŒr nĂ€chsten Tag geplanten Rosendorf-Besuch verschieben wir wegen des Ramadan-Beginns, da zu den Feiertagen halb Teheran in Qamsar Erholung sucht. Wir widmen uns dem modernen Iran und bestaunen den Azadi-Tower, das Wahrzeichen Teherans, und den Borj-e Milad, den Fernsehturm mit herrlicher Aussicht auf die Millionenstadt.
Am Weg nach Kaschan besichtigen wir ein traditionelles Kaufmannshaus, das der Familie Tabatabai, und wandeln mit zahlreichen Iranern durch den Bagh-e Fin, die vielleicht Ă€lteste Gartenanlage der Welt. Mit einem Schutzwall und vier runden TĂŒrmen umgeben ist er mit zahlreichen wasserfĂŒhrenden Elementen und Wasserbecken sehr formal angelegt. Sonne, Schatten, Wasser und GebĂ€ude („Kiosk“) sorgen fĂŒr Erholung und Entspannung. Wir tauchen unsere mĂŒden FĂŒsse zusammen mit einer Gruppe persischer Frauen, die mit uns plaudern und uns nach Hause einladen, ins kĂŒhlende Wasser.
Links oben die Berge um Kashan; unten und rechts der Bagh-e Fin Garten
Rosendorf Qamsar: Rosenfelder und Rosenwasserproduktion
Auf nach Kaschan, ins Rosendorf Qamsar! Entlang der Strecke unzĂ€hlige Damaszenerrosenfelder. Eingebettet zwischen schneebedeckten Bergen und wĂŒstenartigen Landstrichen wĂ€chst hier die Mohammadi-Rose, eine leuchtend rosafarbene, kleinblĂŒtige, stark duftende Ălrose. Der Rosenanbau in Persien erfolgt nicht in Monokulturen. Tausende Familien leben hier einzig vom Rosenanbau, genauer gesagt von der Herstellung von Rosenwasser. In Qamsar praktisch der ganze Ort. Die Kleinstadt ist zum Touristenmagnet geworden.
Rosenfelder nahe Qamsar
Ein Rosenbauer im alten Viertel von Qamsar erklĂ€rt uns enthusiastisch die traditionelle Gewinnung von Rosenwasser und Rosenöl. Er hat ein kleines Rosenwasser-Museum inmitten seines recht archaischen Betriebs eingerichtet. Stolz erzĂ€hlt er uns â und zeigt uns ein Dokument â, dass im Vorjahr die Kaaba von Mekka mit Rosenwasser aus seinem Betrieb rituell gereinigt wurde. Sehr interessant auch die folgende Geschichte: Im Ort werden Kleinkinder vorbeugend gegen Allergien und Hautbeschwerden fĂŒr 15 Minuten in Wannen mit RosenblĂŒten gelegt. Eine Art „Impfung“. Der umtriebige Rosenbauer war auch schon bei der UNESCO. Das Rosendorf Qamsar ist bemĂŒht, als Kulturerbe anerkannt zu werden.
Persien zur RosenblĂŒte
Weil laut Aussage unseres Rosenbauern zerriebene RosenblĂŒten im Joghurt gegen Alzheimer vorbeugen, decken wir uns nicht nur mit Rosenwasser, sondern auch mit getrockneten RosenblĂŒten ein. Ein echtes Verkaufsgenie, der Herr! â Wird doch mittlerweile auch im Iran der GroĂteil des Rosenwassers in groĂen Fabriken gewonnen. In der islamischen Welt ersetzt Rosenwasser sozusagen die alkoholischen Kochzutaten. Statt Wein wird der Sauce Rosenwasser beigemengt, ebenso dem Champagner, Eis, Milchreis, Keksen u.a. SĂŒĂspeisen. Im Schwarztee, zu dem ein StĂŒck WĂŒrfelzucker gereicht wird, ist ebenso ein krĂ€ftiger Schuss Rosenwasser. Das Rosenhydrolat, welches als Nebenprodukt bei der Rosenöl-Gewinnung anfĂ€llt, wird groĂteils zur Herstellung von Parfums und Kosmetikprodukten verwendet.
Unser Rosenwasser- und Rosenöl-Produzent aus Qamsar mit Familie
Wir reisen weiter Richtung Yazd durch abgelegene WĂŒstenlandstriche und sehen zum ersten Mal die WĂŒste „blĂŒhen“. Wermut, wilder Mohn, Wildtulpen und WĂŒstensalbei.
Yazd: WĂŒstenstadt mit LehmhĂ€usern und WindtĂŒrmen
In der recht ruhigen WĂŒstenstadt Yazd suchen wir in den engen, labyrinthischen GĂ€sschen zwischen den LehmhĂ€usern Schutz vor der Hitze. Und lernen die Bedeutung von WindtĂŒrmen, die kĂŒhle Luft in die Keller leiten, kennen. Wir besichtigen den Feuertempel und erklimmen bei enormer Hitze die TĂŒrme des Schweigens, einen Ort der Totenbestattung â die Verstorbenen wurden den Geiern ĂŒberlassen.
Links die SchweigetĂŒrme, oben ein Windturm und unten der zoroastrische Feuertempel
Nach der vielen WĂŒstenhitze haben wir uns eine persische Siesta verdient. Idyllische Restaurants mit gemĂŒtlichen, schattigen Innenhöfen, plappernden Papageien und Wasserbecken in der Mitte. Gegessen wird traditionell auf dem Boden oder im Schneidersitz auf einer niedrigen, mit Teppichen belegten Holzbank. Wir probieren eine Melonen-Shisha, dazu werden Tee, frische Datteln und Kichererbsen-GebĂ€ck mit Kardamom gereicht.
Wasserpfeifen-Siesta
Moscheen, Minarette und GĂ€rten
NĂ€chstes Ziel ist die imposante Freitagsmoschee mit den höchsten Minaretten im Iran. Die mit tausenden blauen Fliesenmosaiken dekorierte Fassade zieht uns magisch an. Danach spazieren wir durch den Dowlat-Abad-Garten. Bei Temperaturen ĂŒber 30 Grad begreifen wir die Notwendigkeit von GĂ€rten in WĂŒstenstĂ€dten â trotz des hohen Wasserverbrauchs. Der Park ist voller Granatapfel- und MaulbeerbĂ€ume. Und Wein â obwohl die Iraner keinen Alkohol trinken. Ach ja, Rosinen đ
Freitagsmoschee von Yazd; das Blau-TĂŒrkis zieht sich auch in den InnenrĂ€umen weiter; Ton in Ton auch die KopftĂŒcherBlĂŒten und FrĂŒchte von den GranatapfelbĂ€umen im Dowlat-Abad-Garten
Am Weg nach Shiraz besichtigen wir in Abarqu eine ĂŒber 4000-jĂ€hrige Zypresse â die Ă€lteste Zypresse der Welt. Rundherum ist ein Rosengarten angelegt, groĂteils Edelrosen, aber auch einige historische.
Ăber 4000-jĂ€hrige Zypresse in Abarqu
Persepolis: die Hauptstadt des antiken Perserreichs
Am Weg nach Persepolis bestaunen wir die GrĂ€ber der AchĂ€meniden Könige, die in eine Bergwand gehauen sind. Danach stehen die imposanten Ăberreste von Persepolis am Programm.
Links oben: Naqsch-e Rostam, rechts und unten die Ăberreste von Persepolis
Shiraz: die Stadt der Rosen, Nachtigallen und der Dichter
Die Iraner verehren ihren Nationaldichter Hafis. Verliebte und Frischverheiratete reisen nach Shiraz zur letzen RuhestĂ€tte des persischen Schutzpatrons der Liebenden. Auch wir statten dem Mausoleum von Hafis in Shiraz einen Besuch ab. Den aufdringlichen Orakel-SprĂŒche-VerkĂ€ufern kann ich eher wenig abgewinnen. Im botanischen Garten BÄgh-e Eram laufe ich angesichts der GröĂe des Gartens und der Vielfalt an Rosen stundenlang in der prallen Hitze herum, wĂ€hrend mein Mann den KrĂ€utergarten bewundert und auf einem Schattenbankerl geduldig wartet, bis ich sĂ€mtliche Rosen bestaunt habe.
Der Eram-Garten in Shiraz, der Ă€lteste und berĂŒhmteste unter den historischen botanischen GĂ€rten; rechts unten: Grab des Hafis
Die Rosenmoschee in Shiraz
Mein absolutes kulturelles Highlight der Reise: die Rosenmoschee in Shiraz. Von auĂen eher unscheinbar, könnte man fast an der kleinen HolztĂŒr mit zwei MauerbĂ€nken vorbeigehen. Nach innen öffnet sich ein schöner Hof mit Wasserbecken. Die Gebetshalle ist mit Teppichen ausgelegt, die Schuhe mĂŒssen ausgezogen werden. Wir haben den Zeitpunkt perfekt gewĂ€hlt, die Moschee ist menschenleer. Beim Betreten halte ich kurz die Luft an. Den TrĂ€nen nahe, stumm vor Demut, schreite ich durch den Raum. Abertausende Rosendarstellungen vom Boden bis zu den Deckengewölben. Ich bin ĂŒberwĂ€ltigt! Die auĂergewöhnlichen Lichtspiele, welche die Morgensonne durch die bunten FensterglĂ€ser auf die Gebetsteppiche wirft, können wir gerade noch erahnen. Nach unzĂ€hligen Fotos setzen wir uns auf den Boden und lassen den mĂ€rchenhaften Raum auf uns wirken. So etwas Kunstvolles habe ich noch nie gesehen!
Nasir al mulk Moschee â die Rosenmoschee von Shiraz
Abends schlendern wir durch den Basar von Shiraz und tauchen unsere Nasen tief in die zahlreichen GewĂŒrzstĂ€nde.
Das Zagros-Gebirge und die Kaiserkronen
Ăber das Zagros-Gebirge geht es am nĂ€chsten Tag weiter nach Yasudsch. Entlang der steinigen StraĂen treiben die Ghasga’i Nomaden Schaf- und Ziegenherden â oder transportieren sie im Lastwagen ĂŒber die PĂ€sse. In regelmĂ€Ăigen AbstĂ€nden sehen wir ihre LagerplĂ€tze. Die Fahrt ĂŒber den 3300 m hohen Pass mit atemberaubender Landschaft wird plötzlich zum botanischen Highlight der Reise.
Kaiserkronen im Zagros-Gebirge
Kaiserkronen und Aronstab
Wir stoĂen auf riesige BestĂ€nde von Kaiserkronen(Fritillaria imperialis). Bergziegen gleich klettern wir die steinigen HĂ€nge hinauf und können uns kaum satt sehen an den stramm stehenden, orangeroten BlĂŒten. „Verkehrte Tulpen“ nennt Amir sie und freut sich ebenso ĂŒber die riesige Population. Vor Begeisterung ĂŒbersehen wir beinahe die kleineren BlĂŒten in der Umgebung. Blaue Traubenhyazinthen, Schachbrettblumen und Quirlsalbei. Wir strahlen vor GlĂŒck, haben wir doch exakt den richtigen Zeitpunkt erwischt. Die BlĂŒtezeit der Zwiebelpflanzen ist recht kurz. Danach ziehen sie wieder fĂŒr ein Jahr vollstĂ€ndig in die Erde ein.
Kaiserkronen
Nach einem Picknick im GrĂŒnen â die absolute Lieblingsform des Essens im Iran â finden wir auf der Weiterfahrt noch zahlreiche BlĂŒten, die wir in kultivierter Form von Zuhause kennen: rosa Polsterkraut, dunkelviolette und bordeauxfarbene Wildgladiolen, Zierlauch, Wildthymian … Und da â STOPP! â die nĂ€chste Sensation: ein riesiges Arial mit purpurfarben blĂŒhenden Aronstab-GewĂ€chsen. Die leuchtenden BlĂŒtenstĂ€nde des Arum stehen wie violette FĂ€hnchen in der ausgedörrten Landschaft.
Oben: Picknick unter ApfelblĂŒten; unten: Wildgladiolen, Quirlsalbei; rechts: Aronstab (Arum orientale var. elongatum)
Isfahan: die Perle Persiens
Ăber SteinwĂŒsten mit faszinierenden Felsformationen und weitlĂ€ufigen Steineichen-Gebieten erreichen wir Isfahan, eine der schönsten StĂ€dte der Welt. SpĂ€tabends fĂŒhrt uns Amir zum riesigen Palastareal von Naqsch-e Dschahan, dem zweitgröĂten Platz der Welt nach dem Tian’anmen-Platz in China. Ein Bild aus 1001 Nacht! Ein Bild, das sich einbrennt. Vom schwarzen Nachthimmel heben sich die bunt beleuchteten, zwecks Symetrie doppelstöckigen Iwane â oben spitz zulaufende Torbögen â ab. In der Mitte ein groĂer Springbrunnen, an den vier Seiten imposante GebĂ€ude. Zwei Moscheen, der Ali QÄpu Palast und ein groĂer Eingangs-Iwan. Der Platz wimmelt von essenden Leuten auf Picknickdecken. Fastenbrechen nach Einbruch der Dunkelheit.
Isfahan bei Nacht
Am nĂ€chsten Morgen erfassen wir erst die immense GröĂe des Platzes. Moscheen und Palast sind mit tĂŒrkis-blau-gelben Kacheln ĂŒberreichlich dekoriert. Besonders die Scheich-LotfollÄh-Moschee mit ihrer hellen Kuppel, deren Farbe sich je nach Lichteinfall verĂ€ndert, trĂ€gt aufwendig verzierte Fliesen. FĂŒr die Besichtigung der GebĂ€ude bedarf es eines ganzen Tages. Der Blick von der Holzterrasse des Ali QÄpu Palastes auf den Imam-Platz mit Brunnen ist atemberaubend. Besonders imposant auch das, nur ĂŒber hohe Stufen erreichbare, Musikzimmer, eine Gipskonstruktion mit tiefen Stucknischen.
Palastareal von Naqsch-e DschahanAli QÄpu Palast; links unten: Musikzimmer; rechts oben: HolzterrasseNicht ohne passendes Tuch â eines von vielen neu erworbenen â und natĂŒrlich nicht ohne meinen Mann!
Persisch kochen
Abends trennt sich die Gruppe. Die einen besuchen ein traditionelles Teehaus, wĂ€hrend ich zusammen mit den Kochbegeisterten einen Crashkurs in Persisch-Kochen bei Maryam mache. Wir lernen die spezielle GewĂŒrzmischung Haft Advieh kennen und auch, wie man Safran richtig zubereitet. Mehr dazu im Blogpost „Safranreispudding mit Rosenwasser und Berberitzen“.
Maryam Persian Cooking Class, Isfahan
Tags darauf brauchen wir angesichts der kalorienreichen persischen Gerichte, die wir gekocht und verzehrt haben, dringend Bewegung. Wir besichtigen die historische Freitagsmoschee von Isfahan mit einer Kuppel aus dem 11. Jahrhundert, die ausnahmsweise mal nicht gekachelt, sondern durch versetzte Ziegel höchst kreativ gestaltet ist.
Jame-Moschee (Freitagsmoschee)
Nach einem Besuch im armenischen Viertel Dschulfa und der Besichtigung der 33-Bogen-BrĂŒcke, speisen wir in einer wunderschönen, palastartigen Hotelanlage mit prĂ€chtigem Rosengarten.
Links oben: Vank-Kathedrale im armenischen Viertel in Isfahan, rechts oben: Abbasi Hotel; unten Mitte: traditionelles persisches Essen mit Graupensuppe und hauchdĂŒnnem Fladenbrot, Pflaumen in Granatapfelsauce, Berberitzen-Safranreis und Mirza Ghasemi (Auberginen) und GemĂŒseSi-o-se-Pol (33-Bogen-BrĂŒcke) ĂŒber den Zayandeh Rud, IsfahanKopftuchparade vor der 33-Bogen-BrĂŒcke: „Zeigt her eure TĂŒcher!“
Der Basar von Isfahan
Am Ende des Tages drehen wir noch eine Runde durch den Basar von Isfahan. Teile des Basars wurden bereits im 8. Jhdt. errichtet. Er ist so riesig, dass eine „Umrundung“ Stunden dauern kann. Nicht so labyrinthisch wie in anderen StĂ€dten Persiens, eher touristisch. TeppichhĂ€ndler bieten uns freundlich und nicht aufdringlich in ihre GeschĂ€fte, wollen uns ihre speziellen KnĂŒpftechniken erklĂ€ren. Wir gehen weiter und decken uns mit allerlei Mitbringsel ein. Kekse, TĂŒcher, Keramik, GewĂŒrze, Berberitzen und Safran.
Basar-e-Bosorg, der groĂe Basar von Isfahan
Vor der RĂŒckreise nach Teheran besuchen wir noch den Bagh-e-Golha, einen traumhaft schönen Blumen- und Staudengarten in Isfahan. Angesichts der Rosen- und BlĂŒtenfĂŒlle und einem Teich mit Wasserfall vergisst man beinahe, dass man in einer WĂŒstenstadt zu Gast ist. NatĂŒrlich blĂŒhen hier auch zahlreichen Rosen. Getreu dem Reisetitel „Persien zur RosenblĂŒte“.
Fachkundige FĂŒhrung von Angelika Ertl durch den KrĂ€utergarten von Bagh-e-Golha
Ein letztes Mal erfreuen wir uns an den unzĂ€hligen Schneewittchen-Rosen und meterhohen weiĂen BlĂŒtenkerzen der Yucca Palmen entlang der StraĂen.
Schneewittchen-Rose und Yucca
Ăber Teheran geht es nach zwei Wochen retour nach Ăsterreich. Es bleibt die Erinnerung an ein mĂ€rchenhaft schönes Land mit ĂŒberaus netten Menschen. Ich hoffe fĂŒr die iranische Bevölkerung auf eine Deeskalation der gegenwĂ€rtige Krise und darauf, dass sie in ihrem an Natur- und KulturschĂ€tzen reichen Land in Frieden leben können. Und hoffentlich können auch weiterhin Rosenliebhaber*innen das schöne Persien zur RosenblĂŒte besuchen.
Rosige Zeiten sind angebrochen. Wildrosen, Ramblerrosen und Edelrosen blĂŒhen heuer alle gleichzeitig. Der Rosenduft und die krĂ€ftig leuchtenden BlĂŒten ziehen unzĂ€hlige Wildbienen, Hummeln und Schmetterlinge an. Und das mitten in der Stadt. Angesichts der BlĂŒtenfĂŒlle komme ich kaum mit dem Trocknen nach. Im gedrehten Hefekranz mit TopfenfĂŒllung habe ich daher frische RosenblĂŒten eingebacken. Und den Zopf zudem mit Duftrosenpetalen dekoriert. Köstlicher und schöner kann ein Wochenende nicht beginnen …
Bei weitem nicht jede faszinierende Rosenschönheit duftet auch. Viele meiner knapp sechzig Rosen verströmen lediglich einen dezenten Wohlgeruch. Besonders betörend ist der Duft der historischen Rosen Louise Odier, Jacques Cartier und Mme Boll oder der Damaszenerrose Ispahan, aber auch einiger moderner Rosen wie Abraham Darby oder Nahema.
Louise Odier
Jacques Cartier
Mme Boll
Ispahan
Abraham Darby
Nahema
Zum Backen und fĂŒr die Herstellung von Rosensirup, Rosenzucker oder Rosensalz verwende ich in erster Linie Petalen roter oder pinker Rosen wie Rosa Rugosa, Rose de Resht oder Chartreuse de Parme.
Rosa Rugosa
Rosa Rugosa
Rose de Resht
Chartreuse de Parme
Superfluffiger Hefekranz mit TopfenfĂŒllung …
Topfen (Quark) darf in meinem KĂŒhlschrank nie ausgehen. Zum FrĂŒhstĂŒck streiche ich statt Butter frischen Magertopfen aufs Marmeladenbrot oder mische ihn mit Avocado und KĂŒrbiskernen, bei HeiĂhunger verrĂŒhre ich ihn mit Beeren. Und auch der Hefekranz wird mit einer Topfenmasse gefĂŒllt sowie mit Pistazien, Rosenzucker und frischen oder getrockneten RosenblĂŒten.
… und mit Rosenaroma
Die RosenblĂŒten verleihen dem Hefekranz ein ganz besonderes Aroma. FĂŒr die Rosen-TopfenfĂŒllung habe ich in kleine Streifchen geschnittene, taufrische BlĂŒten der Rosa Rugosa â auch Kartoffelrose, DĂŒnenrose oder Sylter Rose genannt â verwendet. Der krĂ€ftig pink blĂŒhende, recht stachelige Strauch lockt mit seinen zahlreichen ungefĂŒllten BlĂŒten und offen liegenden StaubgefĂ€Ăen viele Insekten an. Und diese wiederum zahlreiche Vögelchen. Im Herbst bildet diese Rose riesige, apfelförmige Hagebutten aus, die ich zu köstlichem Hagebuttengelee oder -tee weiterverarbeite. Nicht nur zum Backen, auch wegen der Bienen ist daher eine biologische Rosenpflege unumgĂ€nglich.
Im Unterschied zum Hefezopf bleibt der Topfenkranz bis zum letzten StĂŒck saftig. Bei uns „hĂ€lt“ er allerdings nie lange. Ein StĂŒck zum FrĂŒhstĂŒck, eines als Nachtisch, dann zum Kaffee … Und ehe man sich’s versieht, ist er weg. Dabei könnte er â in Folie verpackt â mindestens drei, vier Tage aufbewahrt werden. Hefezopf gibt es bei uns das ganze Jahr ĂŒber, nicht nur zu Ostern. Mit saisonal wechselnder FĂŒllung: mal mit Mohn, NĂŒssen oder Pistazien, mit getrockneten Aprikosen oder kandierten Orangen, mit Kirsch- oder SchokoladenfĂŒllung oder einfach nur mit Zimtzucker. Und zur RosenblĂŒtezeit eben mit Rosen.
Darf man Kuchen aus der Hand essen?
Sonntagnachmittag verziehe ich mich gerne mit einem Buch, einer Tasse Kaffee und einem StĂŒck Kuchen in der Hand in den Garten. Ich liebe schönes Geschirr, besonders skandinavisches Design. Aber im Garten darf rumgebröselt werden. Zur Kaffeejause am Esstisch werden die Teller passend zum Kuchen gewĂ€hlt. Je bunter das Essen, desto schlichter die Teller. So halte ich es meist. Mit entsprechender BlĂŒtendekoration passt beim Hefekranz auch helles Geschirr. An der weiĂen Nordal-Keramik mit blauem Rand konnte ich nicht vorbei. Eine Erinnerung an die Blechteller meiner Kindheit. Nordal-Geschirr gibt es in Wien beispielsweise bei Nanna oder Hannibal.
NĂ€chste Woche geht’s nach Persien â mit einem Garten- und Rosen-Reisebericht. Eure sugar&rose
Farbenrausch im Orient oder Die WĂŒste blĂŒht! â So lĂ€sst sich unsere Persienrundreise am ehesten in Worte fassen. Das an KulturschĂ€tzen, GewĂŒrzen, GĂ€rten und freundlichen Menschen ĂŒberreiche Land Iran hat uns sogleich verzaubert. Und in die orientalische KĂŒche mit Safran, Pflaumen, GranatĂ€pfeln und 1001 GewĂŒrzen habe ich mich geradezu verliebt. Besonders in die traditionelle Nachspeise Shole Zard âSafran-Reispudding mit Rosenwasser. Meist mit etwas Zimt serviert, weiĂ ich von unserer persischen Kochlehrerin nun, dass das wahre Geheimnis aber in Berberitzen und Pistazien liegt.
Safran, Rosenwasser und Advieh â persische GewĂŒrze
Safran und Rosenwasser werden zu unseren stĂ€ndigen Begleitern auf der Reise. Rosenwasser im Trinkwasser, im Tee, in Saucen, im Eis und in nahezu allen SĂŒĂspeisen. Das Rosenwasser aus der Stadt Qamsar, einem WĂŒstengebiet in Isfahan, ist der iranische Exportschlager. Selbstredend habe ich mich dort mit Rosenöl- und RosenwasservorrĂ€ten eingedeckt, nachdem uns ein kleiner Biobauer die noch rechte urtĂŒmliche ProduktionsstĂ€tte gezeigt hat. Im Vergleich zu Bulgarien zu recht moderaten Preisen ĂŒbrigens!
Ohne das rote Gold aus Persien mit dem unvergleichlichen Aroma ist iranisches Essen undenkbar. Safran fĂ€rbt von der Suppe bis zum Nachtisch alles leuchtend gelb. Und so verlĂ€sst auch kaum ein Tourist den Iran ohne Safran. Berberitzen mit ihrem herb-sĂ€uerlichen Geschmack habe ich erst in Persien schĂ€tzen gelernt. Zum Knabbern, im Joghurt, in Saucen, im Reis oder im Kuchen. Ăhnlich den Hagebutten sind sie reich an Vitamin C und haben antiseptische und entgiftende Wirkung. Seit Jahren steht in meinem Garten ein feuerroter, stacheliger Zierstrauch â ein Sauerdorn. Ich hatte keine Ahnung, dass man dessen scharlachrote FrĂŒchte essen kann. Bisher haben sich nur die Vögel bedient.
Die nationaltypische GewĂŒrzmischung „Advieh“ fehlt ebenso in kaum einer persischen Speise und gibt es im Bazar an jeder Ecke auf riesigen Tabletts aufgetĂŒrmt. Zum Tee gibt’s RosenblĂŒten, Kardamom und Zimtstangen. Die Zimtstangen werden in Teile gebrochen und zusammen mit den RosenblĂŒten zum Aromatisieren in den Schwarztee gegeben.
Persisch kochen fĂŒr AnfĂ€nger â Maryams Cooking Class
Wie man Safran richtig verwendet, hat uns Maryam in Isfahan bei einem Kochkurs gezeigt. Ebenso wie man Mirza Ghasemi (vegetarisches AuberginengemĂŒse), Fesenjan (ein Schmorgericht mit WalnĂŒssen und Granatapfelsirup), Crispy Reis mit Safran und Berberitzen sowie Shole Zard, Safran-Reispudding mit Rosenwasser, zubereitet. Und sie hat uns auch die Zutaten ihrer 7-GewĂŒrze-Mischung „Haft-Advieh“ (Kumin, Kardamom, Kurkuma, Safran, Ingwer, Muskatnuss und schwarzer Pfeffer) verraten.
Bisher habe ich das teure GewĂŒrz völlig falsch verwendet, nĂ€mlich die ganzen FĂ€den. Dabei gehören die SafranfĂ€den unbedingt vor dem ĂbergieĂen mit heiĂer FlĂŒssigkeit fein gemörsert. TatsĂ€chlich bereitet man in Persien aber Safranzucker auf Vorrat. DafĂŒr werden 4â5 g SafranfĂ€den mit 2 Teelöffel Kristallzucker â als FĂŒllstoff, damit der Safran nicht verklebt â im Cutter/Moulinette zu feinem Pulver vermahlen und in einem verschlieĂbaren Glas trocken aufbewahrt. Gemahlener Safranzucker ist innerhalb eines halben Jahres zu verbrauchen. Bei Bedarf entnimmt man 1â2 Messerspitzen und ĂŒbergieĂt den Safranzucker mit heiĂem Wasser. Nach 5 bis 10 Minuten Stehzeit wird dieses Safranwasser den Speisen beigemengt. Erst zum Ende des Kochvorgangs, gleich, ob Reis, Fleisch- oder SĂŒĂspeisen. Safran soll nĂ€mlich nicht zu lange gekocht werden.
Weniger ist mehr â Safran-Reispudding mit Rosenwasser
Keine persische Feier ohne Shole Zard, dem traditionellen Safran-Reispudding mit Rosenwasser. Ich habe mich sofort in dieses Dessert verliebt. Neben Reis, Wasser, Zucker, Rosenwasser, Safran und Mandeln wird er in manchen Gegenden noch mit etwas Butter/Ghee aufgebessert oder mit Kardamom gewĂŒrzt und nach dem Portionieren â oftmals recht kunstvoll â mit Zimt bestreut. Ich habe Berberitzen, Mandeln, Pistazien und RosenblĂŒten gewĂ€hlt. Die Rosenwasser- und Zuckermenge habe ich fĂŒr uns erheblich reduziert. Im Rezept findet ihr die persischen Mengenangaben und meine nebeneinander. Ganz ohne Zucker geht es natĂŒrlich nicht. Der Reis, der mit der siebenfachen Menge Wasser sehr langsam gekocht wird, bis er breiig ist, bedarf schon einer ordentlichen Portion Zucker, damit er als SĂŒĂspeise durchgeht. Meine Sohn wird wohl keine Freundschaft mit dem Safran-Reispudding schlieĂen. Und bei meinem Mann kamen traumatische Kindheitserinnerungen an Milchreis zum Vorschein. đ€Ł
Neue Blog-Props: Keramik und Serviertabletts aus Persien
Die Bazare in Shiraz und vor allem der in Isfahan sind ĂŒberaus groĂ und verlockend. Neben GewĂŒrzen, bunten Schals, Teppichen oder TĂŒrkisen gibt es wunderschöne handgearbeitete Messing- und Kupfertabletts sowie Keramiken. NatĂŒrlich auch viel Klimbim. Als Foodbloggerin kommt man daran nur schwer vorbei. Als Rosenverliebte natĂŒrlich auch nicht an einer Kachel mit Rosenmotiv.
Noch bin ich am Sortieren der Fotos: Rosenmoschee, Persepolis, historische und botanische GĂ€rten, blĂŒhende WĂŒstengebiete, Karawansereien, WindtĂŒrme und unzĂ€hlige Rosen. DemnĂ€chst gibt es einen kleinen Fotobericht ĂŒber Persiens Rosen und WĂŒstenblĂŒten. Bis dahin khoda hafez. Eure sugar&rose
Der Muttertag steht vor der TĂŒr. Lang vorbei die Sonntage im Mai, wo ich nicht aufstehen durfte, bis mein Sohn das FrĂŒhstĂŒck zubereitet hatte. Toast und Kaffee meist eher kalt, aber mit unendlich viel Liebe gemacht. Am Tisch ein selbst gepflĂŒckter VergissmeinnichtstrauĂ aus dem Garten mit TrĂ€nendem Herz oder Flieder … Mittlerweile ist Muttertag ein gemeinsamer Brunch oder ein gemĂŒtliches, entspanntes Mittagessen ohne Tamtam am Familientisch. Ich freue mich, wenn alle zusammenkommen. Das ist mein liebster Muttertag! Keine Zwangsgeschenke, im Gegenteil. Ich beschenke meine Familie. Heuer mit einem hĂŒbschen kleinen SchokoblĂŒtentörtchen. FĂŒr Muttertagsverweigerer: Ăber so ein zuckersĂŒĂes Törtchen mit rosa Mirror Glaze und gigantischer SchokoladenblĂŒte freuen sich auch Freundinnen, Geburtstagskinder und alle, die eine Verlobungs- oder Babyparty feiern. Dieser Chocolate Flower Cake beeindruckt auf jeder Festtafel! Die riesige BlĂŒte ist eine recht aufsehenerregende Form der Tortendekoration.
FĂŒr die SchokoblĂŒte und die Brushstroke-Dekoration braucht es nichts anderes als flĂŒssige Schokolade. Entweder weiĂe KuvertĂŒre und Lebensmittelfarbe oder bunte Candy Melts. Die flĂŒssige Schoki wird mit dem RĂŒcken eines Esslöffels blattförmig auf Backtrennpapier aufgestrichen. Sie trocknet rasch. FĂŒr leicht gebogene BlĂŒtenblĂ€tter legt man nach dem Aufstreichen einfach einen Kochlöffel o.Ă. unter das Backtrennpapier. Zum Zusammensetzen der BlĂŒtenblĂ€tter mit flĂŒssiger Schokolade habe ich Alufolie und eine SchĂŒssel als Hilfsmittel verwendet, damit die BlĂŒte nicht flach wird, und unterstĂŒtzend â wĂ€hrend des Trocknens â Alufolie zwischen die Blattreihen geklemmt. In die BlĂŒtenmitte habe ich rosa Zuckerperlen eingestreut. Auf die gleiche Weise kann man auch mehrere kleine BlĂŒten gestalten und einen ganzen BlĂŒtengarten auf das Törtchen zaubern oder auch einige der raffinierten Brushstrokes flĂŒgelĂ€hnlich an der Seite anbringen.
SchokoblĂŒtentörtchen mit Mirror Glaze
Ăberall auf Social Media sieht man diese Eyecatcher-Hochglanztorten. Ich wollte das unbedingt auch mal probieren! Die Spiegelglasur gibt es mittlerweile fertig in den Backregalen gutsortierter SupermĂ€rkte. In Glasklar zum Selber-FĂ€rben (z.B. von FunCakes) oder in WeiĂ, Dunkel und Pink. Wichtig ist, dass die Torte vollstĂ€ndig mit Creme eingestrichen und danach eingefroren wurde. FĂŒr Mirror Glaze ist eine gefrorene OberflĂ€che absolut wichtig, ansonsten hat man Matsch. Zum ĂbergieĂen kommt die Torte auf ein Tortengitter mit Auffangschale. Die Spiegelglasur wird laut Packungsanleitung erwĂ€rmt und in einem Zug ĂŒber die Torte gegossen. Keinesfalls ein zweites Mal darĂŒber gieĂen, da die OberflĂ€che ansonsten nicht spiegelglatt wird. Um BlĂ€schen zu vermeiden, gieĂt man die Glasur durch ein groĂes KĂŒchensieb. GeĂŒbte, zu denen ich nicht zĂ€hle â es war mein erster Versuch â, zaubern wunderschöne Marmorierungen und einzigartige Effekte auf Ihre Torten. Mein Törtchen bekommt ohnehin einen anderen Blickfang.
Zuckerperlen als Farbtupfer
Die vorbereitete SchokoblĂŒte bringt man zusammen mit den Zuckerperlen unmittelbar nach dem ĂbergieĂen des Törtchens mit Spiegelglasur an. Wenn die geleeĂ€hnliche Glasur fest ist, halten die Perlen nicht mehr.
Törtchen with love
Ob fĂŒr die beste Mutter der Welt, die allerliebste Freundin, das Geburtstagskind oder den neuen ErdenbĂŒrger: noch eine kleine Liebesbotschaft aufstecken und fertig. With love! Best Friend! Happy Birthday! Welcome! Oh Baby! Es gibt mittlerweile unzĂ€hlige dieser tollen Cake Toppers.
Ăberrascht eure Liebsten mit einem selbst gebackenen Törtchen! Backen macht glĂŒcklich und Verschenken sowieso. Eure sugar&rose
Baiser statt Biskuit â die Lösung fĂŒr alle, denen die Biskuitroulade beim Rollen immer bricht. Denn eine Meringue-Roulade verzeiht fast alles â auĂer Verbrennen vielleicht. Die zersprungene OberflĂ€che ist gerade das Bezaubernde an ihr. Es macht sie so duftig und unsagbar knusprig. Sie schmilzt geradezu im Mund. Laut meinen Patenkindern ist eine Baiserroulade die beste Roulade ĂŒberhaupt. Besonders wenn sie mit Eierlikörcreme und Beeren gefĂŒllt ist. (Ich sollte ergĂ€nzen, dass meine Patenkinder bereits erwachsen sind.)
„Baiser selber machen? Ist das nicht urkompliziert?“ â Nö, ist es nicht! Jeder, der einen Mixer hat, schafft das. Die Baisermasse ist die einfachste Masse ĂŒberhaupt. Von den Grundzutaten her auf jeden Fall. EiweiĂ und feiner Kristallzucker. Eventuell noch etwas MaisstĂ€rke/Maizena. Muss aber nicht sein. Fertig! Wichtig dabei ist bloĂ, dass die MixschĂŒssel völlig fettfrei und das EiweiĂ sauber vom Eigelb getrennt sind. ZunĂ€chst wird das EiweiĂ zu halbsteifem Schnee geschlagen, dann kommt der Zucker (am besten sehr feiner Kristallzucker) langsam dazu und es wird solange weitergerĂŒhrt, bis der Schnee Spitzen zieht (siehe Foto rechts). Die Beigabe von MaisstĂ€rke macht die Baisermasse etwas leichter schneidbar. Essig, Zitrone oder Salz braucht’s nicht, wenn man den Schnee gut schlĂ€gt, schadet aber auch nicht. Im Ergebnis macht es keinen wirklichen Unterschied. Nach dem Backen wird die Baisermasse zum AuskĂŒhlen auf Backtrennpapier gestĂŒrzt.
Meringue-Roulade mit fruchtiger FĂŒllung
Meringue-Roulade oder Baiserrolle, Baiserroulade oder Meringuerolle? Einerlei. Auf die FĂŒllung kommt es an! Ob mit gesĂŒĂtem Schlagobers (Sahne) oder einer Mischung aus geschlagenem Obers und Mascarpone/Mascarino ist Geschmackssache. FĂŒr etwas Abwechslung aromatisiere ich die Baisermasse gerne mit Rosenwasser oder Mandelaroma bzw. fĂ€rbe sie dezent rosa ein. GefĂŒllt wird meine Roulade natĂŒrlich mit einer Eierlikörcreme â bin ja bekennende Eierlikör-Liebhaberin, wie ihr wisst. DarĂŒber eine Handvoll FrĂŒchte: von Kirschen bis Maracuja, Trauben bis Beeren schmeckt alles super köstlich.
Rosenbaiserrolle â die etwas andere Roulade
Wenn’s schnell gehen muss â und das kommt bei mir relativ oft vor â, wird die Roulade nur mit geschlagenem Obers und frischen Beeren gefĂŒllt. Baiser ist ohnehin sĂŒĂ, weshalb ich die Sahne eher wenig oder gar nicht sĂŒĂe. Himbeeren geben der Roulade einen fein-sĂ€uerlichen Geschmack und bilden damit einen tollen Kontrast zum sĂŒĂen Baiser. > Zum Rezept
Meine Patenkinder sind sich nicht einig, ob Himbeeren oder Erdbeeren die bessere FĂŒllung sind. Ăbereinstimmung aber bei der Kuchenwahl: „Machst du uns eine Meringue-Roulade?“ Um beide zu beglĂŒcken, habe ich auf die Eierlikörcreme etwas HimbeerpĂŒree aufgestrichen und dann Erdbeeren aufgelegt. Der Mix kam gut an. Vier Personen, eine Kaffeejause. Weg war sie …
Das Osternest meiner Kindheit war eher einfach und keinesfalls ein essbares Osternest: ein Brotkörbchen â im MĂŒhlviertel Bochkarl genannt â, ausgelegt mit grĂŒnem Dekogras, darin lagen ein Schokoladenosterhase, ein paar SĂŒĂigkeiten wie Fondant-Spiegeleier und Gelee-Hennen und selbst gefĂ€rbte Ostereier. SpĂ€ter dann eine rote Schultasche aus Leder und noch viel spĂ€ter das heiĂ gewĂŒnschte Mini-Klapprad. Das gröĂte VergnĂŒgen bereitete uns Kindern ohnehin das Eiersuchen im Garten. Und das Eierpecken. Die Osternester unseres Sohnes waren weitaus voller. Und er bekam nicht nur eines. Von beiden Omas, von der Patentante und manchmal auch von Freunden. Die Osternester waren somit schnell uninteressant. Mittlerweile gibt es nur mehr ein symbolisches Nest. Heuer ein mit Eierlikörcreme gefĂŒlltes essbares Osternest am Ostersonntag.
Meine Osternester bestehen aus klein geschnittenem, essbarem Ostergras, welches ich in weiĂe Schokolade getunkt und bĂŒschelweise um Halbkugelformen drapiert habe. AllfĂ€llige ZwischenrĂ€ume habe ich mit flĂŒssiger Schokolade verschlossen, sodass die Osternester nach dem Trocknen absolut dicht sind und mit Creme bzw. Eis gefĂŒllt werden können. Das Tolle daran: wenn das Osternest leer gelöffelt ist, wird es einfach aufgegessen. Das essbare Osternest ist auch abwandelbar. Statt Ostergras können FruchtgummischnĂŒre, Cerealien oder Soletti verwendet werden. Zusammengehalten durch helle oder dunkle Schokolade oder Candy Melts in allerlei Farben.
Eierlikörcreme
Osterzeit ist Eierlikörzeit! Wer Eierlikör liebt, hat immer ein FlĂ€schchen im KĂŒhlschrank stehen. Man weiĂ ja nie, wann er gebraucht wird. đ€Ł Weihnachten und Ostern darf er bei uns auf keinen Fall fehlen. Weder im Kuchen noch im oder am Dessert! Und so eine feine Eierlikörcreme passt immer. Je nachdem, ob ich gerade am Kaloriensparen bin oder nicht, bereite ich sie mit Mascarpone bzw. Mascarino und geschlagenem Obers zu oder mit QuimiQ. Ihr findet beide Varianten im Download-Rezept.
Ein essbares Osternest fĂŒr den Ostertisch und jeden Osterbesucher
So bunt wie die gefĂ€rbten Eier zu Ostern wird auch der FrĂŒhling in der Typografie. FĂŒr Grafiker und Typofreaks wie mich ein perfektes Ostergeschenk. Das brandneue „Color and Type„-Buch ist mehr als reich an Farben. Warum sollen Schriften immer nur einfĂ€rbig sein, wenn auch bunt möglich ist? Bereits beim Aufschlagen des Buches taucht man ĂŒber das mehrfarbige ABC am Vorsatz in die FĂŒlle der Multi-Layer-Schriften ein. Bunt ist das neue Schwarz. Und das nicht nur zu Ostern!
Ich wĂŒnsche euch allen ein schönes Osterfest mit vielen bunten Ostereiern. GenieĂt das lange Wochenende! Ob am Ostertisch mit der Familie oder mit einem langen, ruhigen Spaziergang durch die farbenprĂ€chtige Natur! Eure sugar&rose
Wer Ostern bereits in Frankreich war, hat so einen Pralines-Roses-Brioche vielleicht schon gesehen. Wie der Osterstriezel hierzulande gehört der mit rot gefĂ€rbten gebrannten Mandeln gefĂŒllte Brioche rund um Lyon zur österlichen Tradition. Lange schon wollte ich so einen wunderschönen Briochezopf selber backen, allerdings sind Pralines Roses bei uns nicht gerade leicht zu finden. Also habe ich kurzerhand selbst welche fabriziert. Und sie sind gleich beim ersten Versuch perfekt geworden. Wie’s geht, zeige ich euch in einer Schritt-fĂŒr-Schritt-Anleitung. Pralinies Roses werden in Frankreich nicht nur als BriochefĂŒllung verwendet, sondern auch fĂŒr Cremen und Desserts. Oder man nascht sie einfach so. Achtung: Suchtgefahr!
Eigentlich keine Hexerei, stelle ich fest. UngeschĂ€lte Mandeln, Wasser, Zucker, rote Lebensmittelfarbe und fĂŒr den Geschmack Orangenwasser. Allerdings habe ich kein Orangenwasser, dafĂŒr habe ich stets Rosenwasser im Haus. Ich finde es passt sogar besser! Zum FĂ€rben nehme ich die lang haltbaren und sehr ausgiebigen Wilton-Gelfarben, die ich auch zum FĂ€rben von Cremen und Fondants verwende.
Zopfflechten will gelernt sein. Im Unterschied zum hohen Sechser ist der Vierer ein flacher Hefezopf. Einsteigern empfehle ich erst mal mit einem Vierer zu beginnen. Auch ich tue mir mit dem Sechser immer noch schwer.
ZunĂ€chst wird der Teig in vier gleich schwere Teile geteilt. Diese werden zu Kugeln „geschleift“ und mit gehackten Pralines Roses gefĂŒllt.
Aus den gefĂŒllten Teiglingen werden vier gleichlange StrĂ€nge geformt. (Zur besseren Ăbersicht habe ich sie mit Hölzchen markiert.)
Die StrĂ€nge werden nun an der Oberkante fest aneinander gedrĂŒckt.
Der ganz rechts liegende Strang I wird ĂŒber den daneben liegenden Strang II gelegt.
Nun wird der ganz links liegende Strang IIII unter den Strang III gelegt …
… und weiter ĂŒber den Strang I darĂŒber.
Die Schritte 3â5 wiederholen.
Jeweils rechts ĂŒber den Strang, links unter den Strang, bis die StrĂ€nge aufgebraucht sind.
Danach die Enden zusammendrĂŒcken und nach unten einschlagen.
Der fertige Zopf wird an der OberflÀche mit etwas Wasser bestrichen, damit er nicht austrocknet und darf dann nochmals gehen. Vor dem Backen den Striezel noch krÀftig mit Eigelb-Milch-Mischung einstreichen und mit Hagelzucker bestreuen und im Rohr etwa 25 Minuten backen.
Pralines-Roses-Brioche â Gaumenschmaus und Augenfreude
Von auĂen ist die besondere FĂŒllung nur an einigen aufgerissenen Stellen zu erkennen. Beim Anschneiden des Briochezopfes zeigt sich die wahre Schönheit. Die knallroten gebrannten Mandeln strahlen förmlich um die Wette aus dem Pralines-Roses-Brioche heraus.
Mit dem feinen, flaumigen, rot getupften Hefezopf wĂŒnsche ich euch eine schöne Karwoche, hoffentlich ohne Osterstress. Eure sugar&rose
Langsam neigt sich die Fastenzeit dem Ende zu, streng genommen erst am Ostersonntag in der FrĂŒh. Aber so genau wollen wir das gar nicht wissen, oder? Lockt die Osterzeit doch bereits mit besonders feinen Backrezepten. SĂŒĂe OsterlĂ€mmchen, Osterhasen, Osterpinzen und Striezel. In meiner Familie gehört zum OsterfrĂŒhstĂŒck traditonellerweise neben dem Eierpecken ein frisch gebackener Osterstriezel, ein fluffiger, dezent sĂŒĂer und selbst geflochtener Germteigzopf. Und dann gibt es da in Westösterreich noch die Tradition des God’nkipfels fĂŒr die Patenkinder, die ich wieder eingefĂŒhrt habe.
Ich liebe sĂŒĂen Germstriezel â oder wie auch immer er regional bezeichnet wird: Brioche, Hefezopf, Stuten. Auch mit Rosinen. Aber mein Mann kann sie nicht ausstehen. Und ich kann es nicht ausstehen, wenn er Rosine um Rosine aus dem Striezel pickt. Also bleiben sie weg. Ich könnte wahrscheinlich tagtĂ€glich so ein StĂŒck Striezel zum FrĂŒhstĂŒck essen. Aber wegen Kalorien und so … Ostern ohne Osterstriezel aber ist undenkbar! Noch ein Striezelrezept, werdet ihr vielleicht sagen. Es gibt doch schon unzĂ€hlige im Netz. Aber ich schwöre auf unser seit Generationen erprobtes Familienrezept. Darin befindet sich neben einer krĂ€ftigen Portion Rum und Zitronenabrieb auch Orangengeschmack. Und in meinen Striezel kommt nur frische Hefe, auch wenn ich sonst meist mit Trockenhefe backe. Ein GermwĂŒrfel auf 500 g Universalmehl. Das macht ihn super flaumig. Ob mit Hagelzucker, MandelblĂ€ttchen oder unbestreut, egal. Hauptsache frisch. Germteig schmeckt am Tag des Backens einfach am besten.
Das Flechten eines Vierer-Zopfes beherrsche ich perfekt, mit dem Sechser tue ich mir immer noch schwer. Meine Oma beherrschte das blind. Mir geraten ab der Mitte immer wieder mal die StrĂ€nge durcheinander. Ich mĂŒsste mir wohl öfter einen Striezel gönnen. Aber ich halte es wie beim Handarbeiten: Auftrennen? â Niemals! Nach dem Bestreichen mit Eigelb und dem Bestreuen mit MandelplĂ€ttchen und Zucker sieht man es ohnehin nicht mehr. Naja, zur Spitze hin ist er etwas dĂŒnner geworden … Wie das Flechten eines Striezels mit sechs StrĂ€ngen perfekt gelingt, zeigt euch am besten ein Profi wie Christine Egger.
God’nkipfel
Zweimal im Jahr, zu Ostern und zu Allerheiligen, ist in Oberösterreich „God’ntag“. Da bekommt das Patenkind von den Taufpaten einen Germstriezel. Zu Ostern â meist am Ostermontag â das traditionelle „God’nkĂŒpfi“, einen kunstvoll geflochtenen Hefezopf in der Form eines groĂen Kipfels. Zu Allerheiligen gibt es den „Allerheiligenstriezel“. Gleicher Teig, andere Form. Meine Oma erzĂ€hlte, dass frĂŒher die Godn noch eine MĂŒnze in das Kipferl steckte. Dazu gab es ein paar gefĂ€rbte Eier. Erst nach der Firmung wurde die Godn aus ihren Verpflichtungen entlassen. Vor einigen Jahren habe ich diese alte Tradition, die ich als Kind immer herbeigesehnt hatte, wieder aufleben lassen. Im Gedenken an meine „Goli“, die ich sehr gemocht habe. Mein mittlerweile erwachsenes Patenkind wird von mir seither zu Ostern mit einem kleinen, selbst geflochtenen „God’nkĂŒpfi“ beschenkt. Sie liebt den Brauch ebenso wie ich. Und ich freue mich auf ihren Besuch.
Osternest und Osterkranzerl
Weil der Rest der Familie zu Ostern auch beschenkt werden will, backe ich meist noch kleine Briochekranzerl mit. Osternesterl mit je einem bunten Ei in der Mitte, heuer pastellfarben. Festtags- und BrauchtumsgebĂ€ck hatte immer schon eine figurale Gestaltung. Weil es HefegebĂ€ck mittlerweile das ganze Jahr ĂŒber zu kaufen gibt, sind die UrsprĂŒnge und AnlĂ€sse fĂŒr die FeiertagsbĂ€ckereien nahezu in Vergessenheit geraten.
Und ich habe noch ein wunderbares Osterbrioche-Rezept fĂŒr euch. Es folgt im nĂ€chsten Blogpost. Vielleicht habt ihr es bereits auf Instagram gesehen? Bis bald, eure sugar&rose
Zwei Wochen noch bis Ostern. Also noch zwei Wochen Fastenzeit. Ich hab’s ja nicht so mit Fasten, obgleich es nachweislich sehr gesund ist. Und doch habe ich ein Fastenrezept meiner MĂŒhlviertler Oma hervorgekramt: Fastenbeugel. Bevor Osterstriezel und God’nkipfel auf den Tisch kommen, gibt es knusprige, krĂ€ftig gewĂŒrzte Brotringe, ein typisches BrauchtumsgebĂ€ck aus meiner Heimat. Und ich habe den FrĂŒhling in die KĂŒche geholt: mit einem GĂ€nseblĂŒmchenaufstrich sowie frischem GĂ€nseblĂŒmchen- undVeilchenwasser.
GĂ€nseblĂŒmchenaufstrich
GĂ€nseblĂŒmchen gibt es fast das ganze Jahr ĂŒber, aber im FrĂŒhling schmecken BlĂ€tter, Knospen und BlĂŒten am kraftvollsten. Leicht nussig, machmal auch ein klein wenig bitter. Ăhnlich wie Feldsalat. FĂŒr den Aufstrich kann man die ganzen Pflanzenteile verwenden. Am besten spĂŒlt man sie gleich nach dem PflĂŒcken mit Wasser und lĂ€sst sie in einem Sieb abtropfen. Die BlĂŒten werden mit FrischkĂ€se, Quark oder Ă€hnlichen Milchprodukten und GewĂŒrzen kurz pĂŒriert. Danach sollte der Aufstrich im KĂŒhlschrank etwas ziehen. Fertig! 2017 wurde das GĂ€nseblĂŒmchen sogar zur „Heilpflanze des Jahres“ gekĂŒrt.
Das Beugel kennen wir in Wien eher vom Nussbeugel, einem GebĂ€ck in Kipferlform. Im westlichen Ăsterreich ist das Beugel ein Ringerl, ein GebĂ€ck aus Brotteig in Ringform. Es besteht aus Weizen- und Roggenmehl, Wasser, Germ (Hefe), Salz und GewĂŒrzen. Regional gibt es bei den GewĂŒrzen groĂe Unterschiede. Wird mancherorts der Beugelteig nur mit KĂŒmmel gewĂŒrzt, hat meine Oma ihn mit ganzen Anis-, KĂŒmmel- und Korianderkörnern zubereitet. Im Unterschied zu anderem GebĂ€ck werden die Beugel nach dem Formen einige Minuten in kochendes Salzwasser gelegt, bis sie an der OberflĂ€che schwimmen. Dadurch entsteht spĂ€ter eine besonders knusprige Kruste bei gleichzeitig glatter OberflĂ€che. Danach erst werden sie gebacken. Ob man die Beugel vor dem Backen mit grobem Meersalz, ausschlieĂlich KĂŒmmel oder â wie ich â teilweise mit KrĂ€utern und getrockneten RosenblĂŒten bestreut, ist Geschmackssache.
Besonders lebhaft in Erinnerung habe ich die Tradition des Beugel-ReiĂens. HierfĂŒr wurde ein etwas gröĂeres Beugel gebacken. Jeder legte eine Hand aufs Beugel und los ging’s. Wer das gröĂte StĂŒck abriss, dem wurde besonderes GlĂŒck prophezeit. Vielleicht beim Ostereier-Suchen? Damals gab es zum Fastenbeugel meist auch eine Fastensuppe. Bei Oma war das eine Kartoffelsuppe mit reichlich Zwiebeln. Das Beugel wurde in StĂŒcke gebrochen und in die heiĂe Suppe „eingebrockt“. So wurden auch alte Beugel wieder weich und genieĂbar. đ
Unkrautgenuss & WildpflanzenkĂŒche
Sehnt ihr euch auch nach den Wintermonaten nach den Farben des FrĂŒhlings? Und freut euch ĂŒber die prĂ€chtigen BlĂŒten der FrĂŒhlingspflanzen oder das frische GrĂŒn der KrĂ€uter? Das brandneue Wildpflanzen-Kochbuch von Irmi Kaiser ist eine ebensolche Quelle der Freude und der Inspiration. Essbare WildkrĂ€uter gibt es bereits ausreichend, wenn man achtsam durch die Natur geht: Gundelrebe, GĂ€nseblĂŒmchen, Veilchen, Giersch, Taubnessel u.v.m. Wer gerne kocht, an hochwertigen Lebensmitteln interessiert ist oder sich mit altem Wissen und der Verwendung von heimischen KrĂ€uterpflanzen auseinandersetzen möchte, findet hier neue Sinneserlebnisse. Neben den nach Jahreszeiten geordneten 100 Rezepten gibt es Tipps zum Sammeln und Verarbeiten, Erkennungsmerkmale, Erntezeit und Beschreibungen zur Wirksamkeit der Pflanzen. Haben unsere GroĂmĂŒtter WildkrĂ€uter noch ganz selbstverstĂ€ndlich in der KĂŒche eingesetzt, fehlt uns heute in den StĂ€dten der Bezug dazu. Bringen wir sie wieder auf den Tisch!
Natur pur, sonst nichts: Wasser mit Geschmack
Wasser mit Geschmack oder Infused Water ist der absolute Renner, wenn es um gesund und schlank geht. Eine Firma bewirbt gerade ihre Flavor-Kapseln zum Aromatisieren von Wasser mit dem Slogan „Geschmackvoll ohne Schnickschnack“. Selbstredend gibt es zu den Kapseln auch die passende Flasche zu kaufen. Ich sage: Raus in die Natur und selber pflĂŒcken! Derzeit blĂŒhen Veilchen und GĂ€nseblĂŒmchen um die Wette. FĂŒr natĂŒrlich angereichertes Wasser braucht es keine teuren Kapseln oder eine Extraflasche. BloĂ eine Handvoll BlĂŒten und frisches Leitungswasser. GĂ€nseblĂŒmchenwasser oder Veilchenwasser sind super easy und zudem wunderschön!
Mit so vielen frischen KrĂ€utern und BlĂŒten aus der Natur ist fĂŒr Abwechslung gesorgt. Bald ist die Fastenzeit vorbei. Wichtig: g’sund bleiben und sich wohlfĂŒhlen! Und aufs GenieĂen nicht vergessen! Eure sugar&rose
Noch zitroniger geht’s nicht! Lemonies mit frisch gepresstem Zitronensaft und Zitronenabrieb schmecken sĂŒĂ und sauer zugleich, sind flaumig und super saftig. Die „blonden“ Verwandten der Brownies werden entweder nur mit Puderzucker bestreut oder mit Zitronen-Zuckerguss glasiert. Mit frischen Zitronenzesten und GĂ€nseblĂŒmchen frĂŒhlingshaft dekoriert, stehlen die erfrischenden Zitronenschnitten selbst aufwendigsten Torten die Show.
White Lemon Brownies, Lemon Blondies, Lemon Bars oder kurz: Lemonies
Mit Brownies gemeinsam haben diese Zitronenschnitten die flache und quadratische Form. Und natĂŒrlich die Schokolade im Teig. Allerdings weiĂe Schokolade. Daher werden sie auch Blondies genannt. Genauer: Lemon Blondies bzw. verkĂŒrzt Lemonies. Meine amerikanische Bekannte serviert ihre Lemon-Blondies meist mit einer dicken Schicht Lemon Curd, einem cremigen Aufstrich aus Zitronensaft, Eiern und Zucker. Wir mögen sie lieber pur oder mit einer zitronig-sauren Zuckerglasur. Schwierigkeiten hat mir das Auftreiben einer quadratischen Brownies-Backform bereitet. In Amerika gibt es 8 x 8 Zoll Backformen (etwa 20 x 20 cm). Praktischerweise hat sich aber mein gröĂenverstellbares Universal-Herdbackblech auf nahezu die gewĂŒnschten MaĂe zusammenschieben lassen. FĂŒr ein normal groĂes, rechteckiges Backblech die Zutaten einfach verdoppeln, damit die Zitronenschnittchen nicht zu dĂŒnn und trocken werden.
GĂ€nseblĂŒmchen und Veilchen fĂŒr den FrĂŒhlingskuchen
Garten und Wiesen sorgen gerade fĂŒr echte FrĂŒhlingslaune. Rundum blĂŒhen GĂ€nseblĂŒmchen und Veilchen. Frisch gepflĂŒckt, am besten gleich nach dem Ăffnen der BlĂŒten, ist ihr Aroma am intensivsten. Junge BlĂŒten sind besonders schmackhaft. GĂ€nseblĂŒmchen sind nicht bloĂ dekorativ, sondern auch gesund. Sie enthalten u.a. Vitamin C, Kalium, Kalzium und Eisen. GĂ€nseblĂŒmchen kann man auch kaum verwechseln, weil sie keinen DoppelgĂ€nger haben. Am besten sammelt man sie im eigenen Garten oder an PlĂ€tzen, wo sie keinen Schadstoffen ausgesetzt sind, und wĂ€scht die BlĂŒten vor dem Verzehren. GĂ€nseblĂŒmchen schmecken ĂŒbrigens auch köstlich in Salaten, in Smoothies oder im FrischkĂ€seaufstrich. Meine Empfehlung: GĂ€nseblĂŒmchenwasser. Dazu eine Handvoll frische GĂ€nseblĂŒmchenblĂŒten und ev. einen Zitronenthymianzweig in eine Flasche geben und mit 1 l Wasser auffĂŒllen. Nach 3â4 Stunden im KĂŒhlschrank abseihen. Mit EiswĂŒrfeln und einigen frischen BlĂŒten servieren.
Auch alle Veilchenarten kann man bedenkenlos essen (auĂer Usambaraveilchen, das ist kein VeilchengewĂ€chs). Die grĂŒnen BlĂ€tter auf den Lemonies stammen von der Taubnessel, ein weiteres herrliches WildgemĂŒse, das derzeit im Garten zu finden ist und Bienen und Hummeln erste Nahrung bietet.
Lemonies mit erfrischendem Zitronenguss
Die zarte, sĂŒĂ-saure Glasur meiner Lemonies besteht einzig aus Puderzucker und frisch gepresstem Zitronensaft. Den flachen Kuchen habe ich bereits vor dem Glasieren in Quadrate geschnitten und dicht an dicht wieder zusammen gelegt, um die StĂŒcke gleich nach dem Ăberziehen mit Zuckerguss wieder zu trennen. Die Zitronenzesten und BlĂŒten wollen ebenso rasch aufgebracht werden, da die Glasur schnell anzieht. Durch das Schneiden des Kuchens vor dem Glasieren vermeidet man, dass die Glasur unschön in StĂŒcke bricht.
Lemonies sind wunderbare FrĂŒhlings- und SommerkĂŒchlein. Von den Grundzutaten her recht simpel und aufgrund der geringen Dicke auch super schnell gebacken. So bleibt ausreichend Zeit fĂŒr Natur und Garten. Es ist gibt ja bereits eine Menge zu tun im Garten. Pflanzen und StrĂ€ucher sind um einiges frĂŒher dran als in den letzten Jahren. Der Rosenschnitt ist lĂ€ngst getan, die Forsythien blĂŒhen ja schon seit Wochen. DĂŒngen, pflanzen, Rasenpflege … Mein GlĂŒck liegt definitiv im GrĂŒnen. Daher werde ich mich mit dem druckfrischen Buch „GlĂŒck im GrĂŒnen“ und einigen Lemonies in meinen Garten verziehen und den FrĂŒhling genieĂen.
Ich wĂŒnsche euch allen ein schönes FrĂŒhlingswochenende im GrĂŒnen, eure sugar&rose.
„In der Fastenzeit gibt es keinen Kuchen!“, sagte meine Oma und hat uns Kindern Anisbrot gebacken. Einen einfachen Kuchen, der durch Beigabe des BrotgewĂŒrzes Anis ihrer Ansicht nach kein Kuchen war. Uns Kindern war die Bezeichnung egal. Anisbrot & Aniszwieback, Hauptsache sĂŒĂ! Das restliche Anisbrot hat sie in dĂŒnne Scheiben geschnitten, im Rohr zu Aniszwieback getrocknet und in einer groĂen Metalldose in der „Speis“ (Vorratskammer) aufbewahrt. Denn allzu viel SĂŒĂes in der Fastenzeit wĂ€re dann doch sĂŒndhaft gewesen.
Der Ansikuchen-Teig ist recht simpel. Butter, Zucker, Eier, Milch und Mehl. Und eben eine gehörige Portion Aniskörner. Ich habe meinem Anisbrot noch abgeriebene Zitronenschale beigemengt. Gebacken hat Oma das Anisbrot in einer RehrĂŒcken- oder Kastenkuchenform. Oft standen beide Formen nebeneinander im Rohr.
Seelentröster Anisbrot & Aniszwieback
Oma schwörte auf Anis als Heilmittel. Immer wenn im Familienkreis jemand krank war, hat sie Anisbrot gebacken. FĂŒr uns Kinder war es sĂŒĂer Seelentröster, fĂŒr meine Eltern „Krankenkost“. FĂŒr die Erwachsenen gab es Weinchadeau zum Anisbrot. Kraftspender mit Zucker und Alkohol sozusagen.
Aniszwieback trocknen
Durch Trocknen wurde das Anisbrot haltbar gemacht und war somit stets vorrÀtig. Weil meine Oma aus Zeitmangel nicht in der NÀhe des Ofens blieb, war der Aniszwieback ab und an schon mal etwas stÀrker geröstet. Ich habe den Aniszwieback bei knapp 100 °C am Kuchenrost sehr langsam getrocknet. So behÀlt er seine helle Farbe. Gut durchgetrocknet kann er monatelang in der Vorratsdose aufbewahrt werden. Naja. Lange bleibt die Dose ohnehin nicht voll.
Aniszwieback â ein köstliches Mitbringsel
Ostern steht vor der TĂŒr, da kommt das ein oder andere PĂ€ckchen Aniszwieback ins Osternest. Ich verpacke den Zwieback in kleinen CellophansĂ€ckchen und gebe noch ein Extralöffelchen Anis hinzu. Ein handgeschriebenes Schildchen dran, dazu ein BlĂŒten- oder KrĂ€uterzweigerl. Fertig. Ich nehme Aniszwieback auch gerne mit auf Reisen, als Notproviant. Man könnte ja erkranken oder verhungern … đ
Alles verpackt, Vorratsdose leer! Ich muss wohl vor Ostern nochmal Nachschub machen …