Gefüllter Hefeteigschmeckt das ganze Jahr über, zum Frühstück ebenso wie zum Nachmittagskaffee. Um den Valentinstag herum werden die Hefeteig-/Germteigschnecken allerdings nicht rund, sondern herzförmig geformt und so zur süßen, kleinen Liebeserklärung. Wer freut sich nicht über eines dieser fluffigen, fruchtigen Himbeer-Hefeteigherzen?
Der Hefeteig wird in Portionen geteilt, zu ovalen Fladen ausgerollt, mit je einem Eßlöffel Marmelade bestrichen und zu kleinen Rollen geformt – siehe Zubereitungsfotos unten – , dann in der Mitte zusammengeklappt, zu gut zwei Dritteln eingeschnitten und von der Mitte nach außen zur Herzform auseinandergeklappt. Zum Einschneiden des Teigs empfehle ich ein wirklich gut schneidendes Messer mit breiter Klinge, einen Pizzaroller oder eine Edelstahl-Teigkarte, da sich gefüllter Hefeteig nur sehr schwer schneiden lässt. Die Schnittkante sollte aber exakt sein, da die Herzen sonst keine ansehnliche Form bekommen.
Für die Füllung habe ich kernloses Himbeergelee verwendet. Die Hefeteigherzen schmecken auch mit Kirsch- oder Erdbeermarmelade. Ich bevorzuge zu Hefeteig allerdings dezent säuerliche Marmeladesorten. Cranberry-, Preiselbeer- , Ribisel- oder Hagebuttengelee eignen sich ebenso.
REZEPT HIMBEER-HEFETEIGHERZEN
Menge: 16 Stück
Backform:Backblech
Zutaten
550 g glattes Mehl 75 g Kristallzucker 2 Msp. Salz Abrieb von ½ Biozitrone 250 ml Milch 20 g frische Hefe (Germ) 1 Ei + 1 Eigelb (oder 2 eher kleine Eier) 60 g flüssige Butter ♥ 16 EL bzw. ca. ½ Glas Himbeermarmelade 1 Eigelb vermengt mit 1 EL Milch zum Bestreichen
Zubereitung
I. Mehl, Zucker, Salz und Zitronenabrieb in eine Mixschüssel geben. Die Hefe (Germ) in die lauwarme Milch bröseln und mit einer Gabel verrühren. Die Eier in die Hefemilch geben und ebenso wie die flüssige, aber nicht heiße Butter zum Mehl gießen und mit dem Knethacken des Mixers kurz auf kleiner Stufe, dann weitere 5 Minuten auf höchster Stufe kneten. 2. Den Hefeteig zugedeckt in der Rührschüssel eine Stunde gehen lassen. 3. Backrohr auf 175 °C Heißluft vorheizen. 4. Den Hefeteig in 16 Teile teilen. 5. Jedes Stück oval ausrollen und mit 1 EL Himbeermarmelade bestreichen. 6. Den Teig längs aufrollen und die Enden gut zusammendrücken. Die Teigrolle in der Mitte zusammenfalten und die beiden Enden zur Herzspitze fest zusammendrücken. 7. An der Faltseite mit einem Pizzaroller oder einem sehr scharfen Messer etwa 2/3 einschneiden und die beiden Hälften nach außen klappen, sodass ein Herz entsteht. 8. Die Hefeteigherzen auf ein mit Backfolie ausgelegtes Blech setzen, nochmals 10–15 Minuten zugedeckt gehen lassen, dann mit der Ei-Milchmischung bestreichen. 9. Im Rohr ca. 15–18 Minuten backen.
Einen schönen Februarbeginn wünscht euch eure sugar&rose.
In der Vorweihnachtszeit kommt der Nussstrudel als reichlich geschmückter Hefe-Weihnachtsbaum oder Adventskranz auf den Tisch und sorgt bei Gästen immer für Aufmerksamkeit. Der mit Walnüssen und Zimt gefüllte Hefeteig wird für den Adventskranz strudelförmig eingerollt und zum Kranz geformt. Für den Weihnachtsbaum werden die Lagen übereinander geschichtet, die Ränder eingeschnitten und um die eigene Achse gedreht – drei Lagen Hefeteig und zwei Schichten Walnussfüllung. Pistazien und Cranberrys sowie Zuckersterne sorgen am fluffigen Gebäck für weihnachtliches Flair.
Nach dem mehrfachen Drehen der waagrecht eingeschnittenen „Tannenzweige“ um die eigene Achse, wobei der „Stamm“ in der Mitte unbearbeitet bleibt, wird die Oberfläche des Hefe-Weihnachtsbaums mit Eigelb bestrichen und dekoriert. Ich habe gehackte grüne Pistazien und getrocknete Cranberrys sowie weihnachtliche Zuckerstreusel verwendet. Zum Verschenken binde ich gerne eine große Schleife um den Baumstamm und setze einen dekorativen Drahtstern an die Spitze. Nach Belieben kann der Baum noch feierlich „geschmückt“ werden, zum Beispiel mit Deko-Sternen, Tannenbäumchen oder Weihnachtsmännern.
Gleiches Rezept, andere Form: Hefe-Adventskranz
Für den Nusskranz (Adventskranz) bestreiche ich den rechteckig ausgerollten Hefeteig mit Nussfüllung, rolle ihn zum Strudel auf und schneide ihn im Anschluss der Länge nach in zwei Stränge. Diese werden ineinander verkordelt, wobei die Schnittkanten nach oben schauen sollten. Der gedrehte Nussstrudel wird zum Kranz geformt, die Enden zusammengedrückt und nach unten eingeschlagen. Vor dem Backen lasse ich den Hefeteig zugedeckt nochmals eine knappe halbe Stunde gehen. Nach dem Auskühlen bestreue ich das Hefegebäck mit Staubzucker beziehungsweise stelle ich im Advent auch mal eine Kerze in die Kranzmitte. Oder ich dekoriere den Kranz wie einen Adventskranz mit vier Kerzen. Ebenso wie der Hefe-Weihnachtsbaum kann er auch mit Hagelzucker, Pistazien und frischen oder getrockneten Cranberrys verziert werden.
Mit der Haltbarkeit gibt es beim Hefe-Adventskranz allerdings Probleme. Einmal angeschnitten, überlebt er in der Regel das erste Advent-Wochenende nicht. 😉 Daher binde ich uns alljährlich auch einen großen Kranz aus heimischem Tannenreisig.
REZEPT HEFE-WEIHNACHTSBAUM ODER ADVENTSKRANZ
Menge: 1 Baum
Backform:Backblech
Zutaten
200 ml Milch
20 g Hefe (Germ) frisch
80 g Butter, flüssig
1 Ei
500 g Weizenmehl, universal oder glatt
70 g Feinkristallzucker
5 g Salz
Abrieb von ½ Biozitrone ♥
140 ml Milch
250 g gemahlene Walnüsse, gerieben
90 g Kristallzucker
30 ml Rum
½–1 TL Zimt ♥
1 Eigelb + 2 EL Milch zum Bestreichen ♥
ev. Hagelzucker, Pistazien, getrocknete Cranberrys zum Bestreuen
Zubereitung
Die Hefe in der zimmerwarmen Milch auflösen. Ei einrühren.
Mehl, Zucker und Salz sowie den Zitronenabrieb in eine Rührschüssel geben. Hefemischung und handwarme flüssige Butter zufügen und mit dem Knethaken des Mixers zu einem glatten Teig kneten: 3 Minuten bei kleiner Stufe (langsam), danach 7 Minuten bei intensivster Stufe (schnell).
Den Teig mit einem Küchentuch abdecken und bei Zimmertemperatur etwa 1,5–2 Stunden gehen lassen.
Nussfüllung zubereiten: Milch aufkochen, Nüsse, Zucker, Rum und Zimt beigeben, verrühren und vom Herd nehmen. Abkühlen lassen.
Nusskranz
Den Germteig auf einer leicht bemehlten Fläche etwa einen Zentimeter dick rechteckig ausrollen.
Nussfüllung aufstreichen und zu einem Strang aufrollen. Die Enden etwas zusammendrücken.
Die Teigrolle mit einem scharfen Messer der Länge nach aufschneiden und kordelähnlich verdrehen und zu einem Kranz formen. Die Enden nach unten einschlagen. (Mit Punkt 11 fortsetzen.)
Tannenbaum
(Punkt 1–4 wie Nusskranz.) Germteig in 2 Teile teilen und zu Dreiecken ausrollen.
Einen Teil mit Nussfüllung bestreichen, den zweiten Teig auflegen und in Tannenbaumform beschneiden.
Von der Mitte aus jeweils links und rechts vom „Stamm“ den Teig im Abstand von 2,5–3 cmm einschneiden und jeweils einige Male um die eigene Achse drehen.
Den Germteig auf ein mit Backtrennpapier ausgelegtes Backblech legen und zugedeckt nochmals 20–30 Minuten gehen lassen.
Backrohr auf 170 °C Umluft vorheizen.
Nusskranz mit der Eimischung bestreichen, eventuell mit Hagelzucker und Nüssen bestreuen und im Rohr etwa 25–30 Minuten goldbraun backen.
Einen schönen ersten Advent wünscht euch eure sugar&rose.
Rosenbuchteln,Brioche-Rosen oder Rosenbrötchen – welche Bezeichnung diesem flaumigen Hefegebäck mit Marmeladenfüllung am ehesten gerecht wird, kann ich nicht sagen. Im Englischen werden weiche und leicht süße Brötchen als Buns bezeichnet und rosenförmige Brötchen als Rose Buns. Ich habe die süßen Teilchen Rosenbuchteln genannt, weil ich mein Buchtel-Rezept für den Teig verwendet und sie mit Marmelade gefüllt habe – teils mit frisch eingekochter Hagebuttenmarmelade, teils mit Himbeergelee.
Rosen formen: von Kugeln zu Kreisen zu Blättern zu Blüten
Mit der folgenden Schritt-für-Schritt-Anleitung sollte das Teigformen allen gelingen. Und falls die Teiglinge dennoch keinen Rosen ähneln, keine Panik! Dann setzt sie eben anstatt nebeneinander aufs Backblech in gefettete Muffinförmchen, das „zwingt“ sie praktisch in eine runde Form. Zunächst wird der aufgegangene Germteig in etwa 80–90 Gramm große Portionen geteilt und zu Kugeln geschliffen (gerollt). Nachdem die Teigkugeln nochmals kurz gerastet haben, werden sie zu Kreisen mit 15 cm Durchmesser ausgerollt und viermal eingeschnitten. In die Teigmitte kommt ein großer Klecks feste rote Marmelade (Himbeer-, Hagebutten- oder rotes Ribiselgelee). Im Anschluss werden die Teigviertel nacheinander wie Blütenblätter um die Marmelade gelegt, sodass die Marmelade sichtbar bleibt. Das letzte Teigviertel wird an den Spitzen der Einschnitte etwas gedehnt und Richtung Boden eingeschlagen und leicht angedrückt. Danach sollten die Rosenbuchteln nochmals eine halbe Stunde zugedeckt rasten und etwas aufgehen. Kurz vor dem Backen werden sie mit Eigelb, verquirlt mit Rosenwasser, bestrichen.
Rosenbuchteln mit selbst gemachter Hagebuttenmarmelade
Ich mag grundsätzlich – vor allem aber in Kombination mit süßem Germteig – lieber säuerliche Marmeladen, daher habe ich einen Teil der Rosenbuchteln mit selbst gemachtem Hagebuttengelee (Hagebuttenmarmelade) gefüllt. Im Moment leuchten die kleinen Vitaminwunder knallrot an den Rosenhecken im Garten und an Waldrändern. Die Hagebutten der Rosa canina (Hundsrose) oder Rosa rugosa (Kartoffelrose) eignen sich besonders gut zum Einkochen. Eigentlich soll man mit der Ernte bis zum ersten Frost warten, damit sich die Gerbstoffe in Zucker umwandeln. Allerdings sind die Früchte dann oft bereits matschig. Ich pflücke sie daher mittlerweile Ende September und lege sie für zwei, drei Tage ins Gefrierfach. Ein weiterer Vorteil: sie müssen – nach dem Entfernen der Samen und Härchen – dann nicht mehr so lange gekocht werden.
REZEPT ROSENBUCHTELN
Menge: 15 Stk.
Backform:Backblech, Backfolie
Zutaten
220 ml Milch, zimmerwarm 20 g frischer Germ (Hefe) oder 1 P. Trockenhefe 500 g Weizenmehl, glatt 50 g Feinkristallzucker 1 P. Vanillinzucker 1 Prise Salz 75 g Butter, geschmolzen 1 Ei Abrieb von ½ Biozitrone ♥ 200 g Himbeergelee oder Hagebuttenmarmelade (stichfest, nicht zu flüssig) ♥ 1 Eigelb, 1 TL Rosenwasser (alternativ Wasser) zum Bestreichen ev. Hagelzucker und getrocknete Rosenblüten
Zubereitung
Die Hefe in der warmen Milch auflösen.
Mehl, Zucker, Vanillinzucker und Salz in eine Rührschüssel geben. Hefemischung, geschmolzene, nicht heiße Butter und Ei sowie Zitronenabrieb zufügen und mit dem Knethaken des Mixers zu einem glatten Teig kneten: 3 Minuten bei kleiner Stufe (langsam), danach 7 Minuten bei intensivster Stufe (schnell).
Den Teig mit einem Küchentuch abdecken und bei Zimmertemperatur eine Stunde gehen lassen.
Teig in etwa 80–90 g große Portionen teilen und diese zu Kugeln formen. Abgedeckt mit einem Küchentuch weitere 10 Minuten gehen lassen.
Die Kugeln auf einer leicht bemehlten Arbeitsfläche kreisrund (Durchmesser 14–15 cm) ausrollen. Mit einem scharfen Messer oder einer Teigkarte vier Schlitze einschneiden.
In die Teigmitte je 1 EL Marmelade platzieren und um die Marmelade herum nach und nach eine Rose formen.
Ein Backblech mit Backfolie oder -trennpapier auslegen, die Teigrosen aufsetzen und mit Frischhaltefolie abdecken. Weitere 30–40 Minuten aufgehen lassen.
Backrohr auf 170°C Umluft vorheizen.
Eigelb mit dem Rosenwasser verschlagen und die Teigrosen rundum bestreichen. Eventuell mit Hagelzucker bestreuen.
Rosenbuchteln im Rohr 20–25 Minuten goldgelb backen. Falls sie zu dunkel werden, mit Alufolie abdecken.
Nach dem Abkühlen nach Belieben mit Rosenblüten und Staubzucker bestreuen.
Eine sonnige Herbstwoche wünscht euch eure sugar&rose.
Der Osterbrunch, bei dem sich alljährlich ein Großteil der Familie um den Tisch versammelt und oft auch Freunde dazukommen, ist bei uns ein Osterfrühstück im XL-Format. Wir starten mit Kaffee, Osterbrot oder Osterpinzen und Marmelade sowie Müslimit Früchten. Dann geht’s raus zum Eiersuchen mit anschließendem Eierpecken. Zu den bunten Ostereiern wird ein saftiger Osterschinken im Brotteig mit Senf und Kren serviert. Damit wir am Ostersonntag gemeinsam schlemmen und tratschen können und ich den Tag nicht ausschließlich in der Küche verbringe, bereite ich das meiste am Vortag zu, sowohl Pinzen und Osterbrot als auch den Osterschinken. Den obligatorischen Karottenkuchen zum Nachmittagskaffee backe ich meist schon zwei Tage vorher. Den Ostertisch decke ich noch am Vorabend und setze auch die Karotten-Overnight-Oats an, um am Ostermorgen nur mehr die Früchte hinzuzufügen. Mit Ausnahme von Rühr- oder Spiegeleiern bleibt die Küche beim Osterbrunch kalt. Allenfalls kommt noch eine Bärlauch-Kartoffelsuppe aus dem Tiefkühler auf den Herd, wenn am Spätnachmittag erneut Hunger aufkommt.
Overnight-Oatssind für einen Brunch ideal. Das Müsli chillt über Nacht im Kühlschrank – passend zu Ostern mit geraspelten Karotten – und wird in der Früh nur mehr mit Mango und Kokos-Chips angereichert. Der Karottenkuchen mit Osternest ist ohnehin weitaus saftiger, wenn er ein, zwei Tage vorher gebacken wird. Osterbrot, Osterpinzen und Brioche-Osterhasen backe ich am Tag vor dem Brunch. Sie sollten maximal einen Tag alt sein, da Germteig frisch gebacken einfach am besten schmeckt. Ich wickle das süße Gebäck in Frischhaltefolie, lasse aber einen kleinen Spalt, damit Feuchtigkeit entweichen kann und das Gebäck nicht zäh wird.
Herzhafter Osterbrunch
Zu jedem Brunch gehören neben Eiern – zu Ostern ohnehin reichlich vorhanden – Schinken, Käse und ein Gemüseteller sowie Brot und Gebäck. Zum Auftakt gibt es Fingerfood: Mini-Blätterteigpasteten mit Eiaufstrich auf einer Petersilien-Gänseblümchenwiese und Lachs- Spinat-Rolle sowie mit Frischkäse gefüllte Tomaten-Tulpen im Gurkenbeet. Für den Eiaufstrich verrühre ich die Dotter hartgekochter Eier mit etwas Topfen und dem fein gehackten Eiweiß und würze mit Salz und Pfeffer. Die Lachs-Spinat-Rolle bereite ich aus Tiefkühl-Blattspinat, Eiern und Parmesan. Das gebackene „Spinat-Biskuit“ wird mit Frischkäse bestrichen, mit Pfeffer gewürzt und mit Räucherlachs belegt, danach aufgerollt. In Alufolie gewickelt kann auch die Lachs-Spinat-Rolle ein, zwei Tage im Kühlschrank lagern.
Kein Osterbrunch ohne Osterschinken
Das absolute Highlight der Ostertafel ist der Osterschinken im Brotteig. Der saftige Schinken im Sauerteigbrot ist nicht nur Hingucker und Traditionsgebäck, er schmeckt überaus köstlich, egal ob warm oder kalt. Ich bereite ihn ebenso am Vortag zu, denn wir essen ihn kalt. Weil Sauerteig nicht jedermanns Sache ist, habe ich auch ein Rezept mit Hefeteig für euch. Im Prinzip kann der vorgekochte, verzehrfertige Schinken in jeden Brotteig gewickelt werden, am besten schmeckt aber kräftig gewürztes Roggenbrot. Im Kühlschrank hält der Osterschinken eine knappe Woche und steht somit für Überraschungsbesuche allzeit bereit. Serviert wird er mit Senf und Kren und bunt gefärbten Ostereiern.
Einfaches Osterbrot – als Laib oder im Topf gebacken
Das nur leicht süßliche Osterbrot hat meine Mühlviertler Oma am Karsamstag für die Speisenweihe in der Kirche zubereitet – ein mittelgroßer runder Laib, an der Oberfläche kreuzweise eingeschnitten. Zusammen mit hart gekochten Eiern, einem kleinen Stück geselchtem Fleisch sowie einer Krenwurze wurde es in einem Korb zur Ostermette mitgenommen. Nach der Rückkehr von der nächtlichen Messe haben wir das „Geweihte“ gemeinsam verzehrt. Meine Mutter hat unser Osterbrot später in einer „irdenen“ Gugelhupf-Model (einer glasierten Steingut-Form, siehe Foto unten links) gebacken – mit in Rum eingeweichten Rosinen. Und es war auch etwas süßer als bei meine Oma, wodurch es einem Germgugelhupf ähnlicher kam als einem süßen Brot.
Osterpinzen zum Osterbrunch oder als Geschenke zum Mitnehmen
Im Vergleich mit Osterbrot enthalten Pinzen keine Rosinen. Das Ostergebäck ist kleiner, süßer, weicher und vor allem flaumiger. Und noch ein weiterer Unterschied: die Milch wird vorab mit Aniskörnern aufgekocht und damit aromatisiert. Regional wir Anis für Pinzen auch mit Weißwein angesetzt. Vor dem Backen werden die rund geschliffenen Teiglinge mit versprudeltem Ei bestrichen und an der Oberfläche mit einer Schere dreimal eingeschnitten, wodurch das charakteristische Pinzenmuster entsteht. Ich backe meist kleinere Pinzen. Anstelle der im Rezept angegebenen fünf können auch zwei große Pinzen gemacht werden, dann erhöht sich die Backzeit allerdings um etwa fünf Minuten. Da mein sugar&rose-Ehemann ebenso wie der Sohnemann eine Rosinen-„Phobie“ haben, haben die Pinzen dem Osterbrot in unserer Familie eindeutig den Rang abgelaufen.
Osterbrunch-Rezepte
REZEPT OSTERSCHINKEN IM BROTTEIG
Menge: 1 Stück
Backform:Backblech
Zutaten
1 bis 1,2 kg Schinken-Teilsames, Bein- oder Rollschinken, gekocht 500 g Weizenmehl 500 g Roggenmehl 1 EL Brotgewürz 15 g Salz 2 P. Trockengerm ca. 700 ml Wasser, lauwarm
Zubereitung
Mehl, Brotgewürz, Salz, Trockengerm und Wasser mit dem Knethaken des Mixers zu einem Brotteig kneten.
Den Brotteig zugeckt eine Stunde rasten lassen, danach etwa 2 cm dick auf einer leicht bemehlten Fläche ausrollen.
Den Schinken auf den Teig legen und den Teig darüberschlagen.
Im auf 220 ° C Umluft vorgeheizten Backrohr das Brot 10 Minuten, danach bei 180 °C weitere 50 Minuten backen. Wenn vorhanden, in den ersten 10 Minuten die Dampffunktion zuschalten.
REZEPT OSTERBROT
Menge: 1
Backform:Backblech, Springform oder Keramiktopf
Zutaten
42 g frische Hefe
200 ml lauwarme Milch
500 g Weizenmehl, glatt oder universal
100 g Zucker oder ev. auch nur 50 g Zucker (je nach Geschmack)
5 g Salz
2 Eier
2 EL Rum
100 g Butter, flüssig
ev. Abrieb von ½ Biozitrone
3–4 EL Rosinen
2 EL Milch zum Bestreichen
Zubereitung
Hefe in Milch auflösen. Mehl, Zucker, Salz, Eier Rum, Butter, Zitronenabrieb (und die Rosinen) mit der Hefemilch mit dem Knethaken des Mixers zunächst 10 Minuten langsam, danach 2 Minuten schnell rühren.
Den Germteig 60 Minuten zugedeckt gehen lassen.
Teig zusammenschlagen und einen Laib formen. Diesen in eine leicht gefettete runde Form, einen Keramiktopf geben oder auf ein Backblech legen.
Nochmals 20 Minuten gehen lassen.
Das Osterbrot kreuzweise einschneiden, mit etwas Milch bestreichen und im vorgeheizten Backrohr (160 °C Umluft oder 175 °C Ober-/Unterhitze) ca. 45 Minuten backen.
Nach Belieben eventuell dünn mit Staubzucker bestreuen.
REZEPT OSTERPINZEN
Menge: 5 Stück
Backform:Backblech
Zutaten
250 ml Milch
½ TL Anissamen, ganz
½ Würfel frische Hefe
40 g Kristallzucker
75 g Butter, flüssig
1 ganzes Ei und 1 Eigelb (alternativ 3 Eigelb)
500 g Mehl, universal
½ TL Salz
1 Eigelb + 2 EL Milch zum Bestreichen
Zubereitung
Milch mit Anis erwärmen und einige Stunden ziehen lassen, danach abseihen.
Hefe mit 1 Prise Zucker in etwas lauwarmer Milch auflösen. Einen Esslöffel Mehl darüber streuen und das Dampfl etwa 10 Minuten gehen lassen.
Dotter, Butter und Zucker mit der restlichen Milch versprudeln, dann das Dampfl einrühren. Mehl und Salz hinzugeben und mit dem Knethaken 10 Minuten durchkneten. An einem warmen Ort 30–45 Minuten zugedeckt auf doppelte Menge aufgehen lassen. Dann den Teig zusammenschlagen und ein weiters Mal etwa 20 Minuten gehen lassen.
Teig auf eine bemehlte Fläche stürzen und in fünf Portionen teilen. Daraus runde Laibe formen (rund schleifen) und auf ein mit Backtrennpapier ausgelegtes Blech setzen (mit ausreichend Abstand, da die Teiglinge noch aufgehen).
Zugedeckt nochmals ca. 30 Minuten auf doppelte Größe aufgehen lassen. Vor dem Backen mit der Ei-Milch bestreichen und danach jede Pinze mit der Schere dreimal an der Oberfläche einschneiden.
Im vorgeheizten Backrohr bei 175 °C Umluft 20 Minuten backen.
Der süße Duft warmer Schoko-Swirl-Heferollen mit zartbitterer Füllung macht geradezu süchtig! Das schokoladige Briochegebäck ist ein wahrer Hochgenuss, besonders an kalten Wintertagen – als perfekter Start in den Tag oder als warme Mehlspeise zum Nachmittagskaffee oder Tee. Ich empfehle gleich die doppelte Menge zuzubereiten, denn es bleibt selten bei nur einem Stück.
Hefeteiggebäck schmeckt am Zubereitungstag am allerbesten. Frisch aus dem Ofen kommend ist es besonders locker und saftig. Auch die Schoko-Hefeteigrollen sind ofenwarm der absolute Hammer. Um frische Schoko-Germstriezel zum Frühstück zu servieren, muss man aber nicht – wie unsere Großmütter – extrafrüh aus dem Bett klettern. Hefeteig kann man auch am Vortag zubereiten und über Nacht im Kühlschrank gehen lassen. Dazu deckt man den fertig geschlagenen Teig mit einem leicht befeuchteten Geschirrtuch ab und lässt ihn am Morgen bei Raumtemperatur eine halbe Stunde nachgehen. Zugegeben, etwas Gehzeit brauchen die süßen Dinger danach auch noch, damit sie richtig luftig werden.
REZEPT SCHOKO-SWIRL-HEFEROLLEN
Stück: 6–8
Energie:ca. 188 kcal pro Schokorolle (8 Stück)
Zutaten
250 g Weizenmehl, glatt
15 g Kristallzucker
2 Msp. Salz
½ P. Trockenhefe
130 ml Milch
35 g Butter
etwas Zitronenabrieb
1 sehr kleines Ei (bei doppelter Teigmenge 1 Ei Gr. L)
30 g Zartbitterschokolade
20 g Butter
1 TL Kakaopulver
Eigelb + 1 EL Milch zum Bestreichen
Zubereitung
Mehl und Zucker mit Salz und Hefe vermischen. Milch und Butter erwärmen, bis die Butter geschmolzen ist, dann auf Zimmertemperatur abkühlen lassen und zusammen mit dem Zitronenabrieb und dem kleinen Ei unterrühren.
Den Hefeteig einige Minuten langsam, dann 10 Minuten schnell mit dem Hefeteighaken im Mixer zu einem geschmeidigen, leicht glänzenden Teig verrühren. Zugedeckt an einem warmen Ort eine Stunde gehen lassen.
Schokolade mit der Butter über Wasserdampf schmelzen, Kakao unterrühren und abkühlen lassen, bis sie streichfähig ist.
Hefeteig auf leicht bemehlter Fläche zu einem Rechteck ausrollen und in 6 bis 8 Rechtecke (ca. 10 x 20 cm) schneiden.
Jeweils eine Hälfte des Teigstreifens mit der Schokoladenmasse bestreichen und die zweite Hälfte darüber klappen. Die Teigränder etwas zusammendrücken. Die Teiglinge drei- oder viermal einschneiden, dabei am oberen Rand ca. 2 cm unbeschnitten lassen. Die so entstanden vier bis fünf Stränge einzeln swirlen (kordelartig verdrehen), danach von der unbeschnittenen Seite her aufrollen.
Schokorollen zugedeckt eine Stunde gehen lassen.
Backrohr auf 170 °C Umluft vorheizen. Eigelb mit Milch verquirlen und Schokorollen damit bestreichen. Danach etwa 20 Minuten im Rohr goldbraun backen.
Eventuell noch Staubzucker und Wasser (je ca. 30–40 g) aufkochen, 2 bis 3 Minuten zu Sirup einkochen und die Schokorollen damit bestreichen.
Wenn der Duft von frisch gebackenen Kolatschen durchs Haus zieht und das selbst gemachte Zwetschkenmus im Regal steht, ist die Einkochzeit für mich erledigt. Böhmische Kolatschen, eine Spezialität aus dem Mährischen, gibt’s bei uns nur im Herbst und Winter. Dann eben, wenn die letzten Zwetschken zu Powidl eingekocht sind. Die runden Germküchlein werden traditionell mit Powidl gefüllt, dazu Topfen und Mohn – und anschließend mit Streuseln garniert. Sie sind nicht zu verwechseln mit der österreichischen Kolatsche (in Wien liebevoll auch „Golatschn“ genannt). Österreichische Kolatschen sind eckig und die Füllung – hauptsächlich Topfen – ist oben verschlossen, weshalb wir die Topfenkolatsche auch Topfentascherl nennen.
Böhmische Kolatschen werden aus einem süßen Germteig zubereitet, keinesfalls aus Blätter- oder Plunderteig. Die Zubereitung ist nicht ganz unaufwendig, aber es lohnt sich allemal. Ist der Germteig aufgegangen, walke ich ihn auf eine Dicke von einem Zentimeter aus und steche mit einem Trinkglas 5–8 cm große Kreise aus. Dazu eignet sich beispielsweise eine Biertulpe hervorragend. In die Mitte der Teiglinge drücke ich mit der Unterseite des Glases eine Delle. Meine Oma hatte dazu ein eigenes Holzmodel, ähnlich einem Stopfholz. In die Vertiefung fülle ich – gleich im Anschluss, ohne weitere Gehzeit – mit einem Esslöffel zunächst die Topfenmasse. Diese macht die Kolatschen schön saftig.
Dreierlei Füllungen müssen es mindestens sein!
Topfen, Mohn und Powidl sind Pflicht für das traditionelle Gebäck. Eine vierte Füllung – eine Nussmasse – kann sein, muss aber nicht. Den Powidl (Zwetschkenmus) verrühre ich gerne mit etwas Zwetschkenschnaps, das gibt den Kolatschen Pfiff (bei Kindern im Haushalt bitte streichen). Das Rezept für selbst gemachten Powidl findet ihr hier. Original Powidl wird über einen längeren Zeitraum aus Zwetschken (keinesfalls Pflaumen) eingekocht. Das ist einer Österreicherin nicht „powidl“! Das klappt übrigens auch im Backrohr oder mit dem Thermomix.
Die Mohnfüllung rundet den charakteristischen Geschmack der Kolatschen schlussendlich ab. Sie ist von der Zubereitungszeit her die aufwändigste der Füllungen. Wenn’s schnell gehen muss, verwende ich einfach eine fertige Mohnfüllung, z.B. Mohn Back.
Keine Kolatsche ohne Streusel
Auf Streusel sollte man nicht verzichten! Sie schmecken köstlich und machen die Kolatschen herrlich knusprig. Die Zubereitung von Streuseln ist kinderleicht. Wie bei Mürbteig werden Mehl, Zucker und Butter einfach nur verknetet. Mit Daumen und Zeifefinger „verbröselt“ man den Teig dann zu groben Krümeln über den Kolatschen. Streuselteig kann man auch auf Vorrat herstellen und einfrieren. Wenn es arg eilt, können die Streusel durch gehobelte Mandeln oder Mandelsplitter ersetzt werden. Ist nicht original, schmeckt aber ebenso köstlich.
Draußen wird es von Tag zu Tag kühler, da dürfen die Mehlspeisen bei uns gerne auch warm serviert werden. Frisch aus dem Ofen schmecken Kolatschen nämlich am allerbesten. Eure sugar&rose
Marillenbuchteln – ein Klassiker aus dem Rezeptschatz meiner Oma, zubereitet aus luftigem Germteig, gefüllt mit selbst gemachter Marillenmarmelade, frisch aus dem Ofen und serviert mit reichlich Kanarimilch oder Vanillesoße … So eine warme Mehlspeise lässt die Herzen meiner Familie höher schlagen. Homeoffice sei Dank, bleibt doch wochentags unter normalen Umständen keine Zeit für eine frische Germteigmahlzeit.
Mit Trockenhefe ist Germteig echt easy-peasy. Trockenhefe reduziert die Vorbereitungszeit enorm und tut der Luftigkeit hier keinen Abbruch. Sämtliche Zutaten kommen zusammen in die Mixschüssel und werden mit dem Knethaken bei hoher Geschwindigkeit verrührt. Nach einer Ruhezeit von etwa einer Stunde wird der Germteig portioniert, mit Marmelade gefüllt und rundum gebuttert in die Pfanne gesetzt. Während das Backrohr aufheizt, bekommen die Buchteln noch eine kleine Gehzeit und werden anschließend etwa 25 Minuten goldbraun gebacken. Für eine schön glänzende Oberfläche bepinsle ich sie gleich nach dem Backen dünn mit heißer Marillenmarmelade. Zum Servieren bekommen sie dann noch eine Schicht Puderzucker.
Warme Marillenbuchteln mit Vanillesoße
Während meine Oma zu Buchteln oder Topfenstrudel Kanarimilch servierte, gibt es bei uns meist Vanillesoße. Aus Vanillepuddingpulver – eine halbe Packung bei 500 ml Milch. Hinzu kommt noch ein kräftiger Schuss Inländer-Rum. Natürlich nur für die Erwachsenen! Vanillesoße gibt es mittlerweile auch als Fertigprodukt zum Kaltanrühren, ohne Kochen.
Omas Kanarimilch
Für die Kanarimilch (auch „Vogelmilch“) werden 500 ml Milch (3,5 %), 100 g Staubzucker, das Mark einer Vanilleschote und 5 Eigelb über Wasserdampf cremig aufgeschlagen. Sie darf keinesfalls aufkochen, sonst stockt sie. Von der Konsistenz ist sie etwas dünner als eine Vanillesoße, hat aber durch das Eigelb eine kräftig gelbe Farbe. Kanarigelb? Dass die Kanarimilch heiß genug und somit fertig ist, kann man mit der Rosenprobe feststellen. Dazu wird ein Kochlöffel in die Milch getaucht, herausgenommen und kräftig auf die gewölbte Rückseite geblasen. Es bilden sich rosenblätter-ähnliche Wellen.
So eine warme Mehlspeise zu Mittag macht pappsatt. Jetzt bloß nicht hinlegen, sondern die Sportschuhe anziehen und auf den Weg machen! Die Runde muss diesmal wohl etwas größer ausfallen … Eure sugar&rose
Zu „Heiligen-Drei-König“ gab es bei meiner Mühlviertler Oma traditionell einen süßen Germkuchen (ein rundes Hefegebäck mit Rosinen). Ursprünglich ist der Dreikönigskuchen aber kein österreichisches Brauchtumsgebäck. In der Schweiz erfreut sich der Dreikönigskuchen mit eingebackenem König allerdings sehr großer Beliebtheit. Warum also nicht auch in unseren Feiertagsbrioche einen Glücksbringer einbacken? Wer die Figur in seinem Brötchen findet, ist König oder Königin für einen Tag und ihm/ihr ist Glück beschieden.
Wie stets bei Hefegebäck stellt sich zunächst die Frage: mit oder ohne Rosinen? Da ich die einzige bin, die Rosinen im Germteig mag, bleiben sie wieder einmal außen vor. Das soll euch aber nicht abhalten. Im Rezept ist die Mengenangabe für Rosinen angeführt. Während in meiner Kindheit das Hefebrot einfach ein runder Laib war, ist der Schweizer Dreikönigskuchen – einer Krone ähnlich – aus einzelnen Brötchen zusammengesetzt. Hierzu wird der Hefeteig nach dem Aufgehen in zehn gleich große Stücke geteilt, zwei davon zu einer großen Kugel geschleift, die restlichen acht kreisförmig herum angeordnet. Auch die Dekoration des Feiertagsgebäcks ist eine Glaubensfrage: mit Mandeln oder mit Hagelzucker? Ich mache gerne halbe–halbe. Und ich habe den Dreikönigskuchen außerdem mit Berberitzen dekoriert. Bloß keine Rosinen …
Dreikönigskuchen mit Glücksbringer
In eine der Teigkugeln wird ein Glücksbringer eingearbeitet. Da ich mir nicht sicher bin, ob meine Dreikönigsfiguren backtauglich sind und ich auch keine Münze einbacken will – nicht dass sich jemand die Zähne ausbeißt –, habe ich zu einer Nuss gegriffen. Aber auch eine Bohne oder eine ganze Mandel sind geeignet. Von oben sollte nicht sofort ersichtlich sein, wo die „Figur“ versteckt ist, weshalb man den Verschluss der Teigkugel nach unten aufs Blech setzt. Ich habe die Nuss in eines der acht kleinen Brötchen eingebacken, da diese zuerst vom Dreikönigskuchen gebrochen werden. Die goldenen Krönchen sind nicht selbst gebastelt, sondern aus dem Partyzubehörgeschäft, ebenso die sternförmige Wunderkerze.
Wer wird König oder Königin für einen Tag?
Die Spannung steigt. Wer wird heuer unsere Königin oder unser König? Im ersten Brötchen ist sie schon mal nicht, im zweiten auch nicht. Enttäuschte Gesichter … Sie ist im vierten. Tatata! Wir haben eine Königin! Die Freundin unseres Sohnes bekommt die goldene Krone aufgesetzt. (Ergänzend sei vermerkt, dass wir den Dreikönigskuchen heuer schon am Neujahrestag verspeist haben, damit ich euch das Rezept rechtzeitig vor dem Dreikönigstag liefern kann.)
Einen schönen Dreikönigstag und viel Glück im neuen Jahr! Eure sugar&rose
Ein Briochekipferl gehört zum traditionellen Wiener Frühstück ebenso wie die Kaisersemmel und Wachauer Marillenmarmelade. Das feine und nicht allzu süße Hefegebäck erlangt seine Zartheit durch den hohen Butteranteil. Aus dem gleichen Teig wie die Kipferl wird auch Kopfbrioche zubereitet. Durch eine lange Teigführung bekommt der Briocheteig seine besondere Mürbheit. Das Rezept nach Barbara van Melles neuem Buch „Vom Kipferl zum Croissant“ ist also nichts für Eilige!
Für besonders flaumige Gebäckstücke sollte man sich etwas Zeit nehmen. Optimal ist eine Teigführung mit geringer Hefemenge über einen Zeitraum von 12 bis 20 Stunden. Der zunächst langsam, danach schnell geschlagene Germteig wird nach zweimal 10 Minuten Knetzeit über Nacht zur Reifung in den Kühlschrank gestellt. Das ist aufgrund des hohen Butteranteils sehr wichtig für die Stabilität des Briocheteigs. Am besten bereitet man den Teig am Vorabend zu, holt ihn am nächsten Morgen aus dem Kühlschrank und lässt ihn in vorgegebenen Schritten und Zeiträumen (siehe Rezept) bei Raumtemperatur gehen. Wer die Briochekipferl zum Frühstück servieren möchte, muss also früh aufstehen.
Kopfbrioche
Für Kopfbrioche wird der Briocheteig zubereitet wie für die Kipferl. Ob als kleine Briochestücke oder in einer großen Form gebacken, ist Nebensache. Einzig die Backzeit ist bei der großen Kopfbriocheform nahezu doppelt so lang (etwa 25 bis 30 Minuten bei 180 °C). Typisch für Kopfbrioche ist der kugelförmige Kopf und die runde, blütenförmige Briocheform. Wer keine Briocheform hat, kann die Brioches auch im Muffinblech zubereiten. Damit der Kopf beim Backen nicht von der Brioche fällt, drückt man bei kleinen Brioches mit dem Knöchel des Zeigefingers und bei großen Brioches mit der ganzen Hand in der Teigmitte eine Mulde bis zum Boden und setzt den kleinen Teigling in diese Vertiefung.
Briochekipferl
Sonnengelb durch reichlich Eidotter, herrlich flaumig durch die viele Butter und typisch im Geschmack durch den Hagelzucker – Briochekipferl sind ein wahrhaft königlicher Genuss und DER Frühstücksklassiker! So schön geformt wie die Kipferl aus der Bäckerei waren meine selbst gemachten Briochekipferl nicht, aber geschmeckt haben sie hervorragend. Die aufwändige Zubereitung (kneten, kühlen, rasten, kneten, rasten …) schmeckt man gleich beim ersten Bissen. Die Kipferl sind wirklich butterzart geworden.
Barbara van Melle & Pierre Reboul: Vom Kipferl zum Croissant
Dass die Ursprünge des Kipferls eigentlich in Wien liegen und ein Wiener die alte Tradition im 19. Jahrhundert nach Paris gebracht hat, wo die französische Backkunst „Viennoiserie“ genannt wird, war mir nicht bekannt. Barbara van Melle erzählt in ihrem neuen Buch „Vom Kipferl zum Croissant“ neben vielen Rezepten auch die Geschichte des Wiener Feingebäcks. Von Kaisersemmeln bis Erdäpfelmilchbrot, von Girafferln über Croissants, von Briochekipferln bis Herzenzwieback. Pierre Reboul zeigt in Schritt-für-Schritt-Anleitungen, wie man Kipferl, Semmerl und Kleingebäck richtig formt.
Rosige Zeiten sind angebrochen. Wildrosen, Ramblerrosen und Edelrosen blühen heuer alle gleichzeitig. Der Rosenduft und die kräftig leuchtenden Blüten ziehen unzählige Wildbienen, Hummeln und Schmetterlinge an. Und das mitten in der Stadt. Angesichts der Blütenfülle komme ich kaum mit dem Trocknen nach. Im gedrehten Hefekranz mit Topfenfüllung habe ich daher frische Rosenblüten eingebacken. Und den Zopf zudem mit Duftrosenpetalen dekoriert. Köstlicher und schöner kann ein Wochenende nicht beginnen …
Bei weitem nicht jede faszinierende Rosenschönheit duftet auch. Viele meiner knapp sechzig Rosen verströmen lediglich einen dezenten Wohlgeruch. Besonders betörend ist der Duft der historischen Rosen Louise Odier, Jacques Cartier und Mme Boll oder der Damaszenerrose Ispahan, aber auch einiger moderner Rosen wie Abraham Darby oder Nahema.
Louise Odier
Jacques Cartier
Mme Boll
Ispahan
Abraham Darby
Nahema
Zum Backen und für die Herstellung von Rosensirup, Rosenzucker oder Rosensalz verwende ich in erster Linie Petalen roter oder pinker Rosen wie Rosa Rugosa, Rose de Resht oder Chartreuse de Parme.
Rosa Rugosa
Rosa Rugosa
Rose de Resht
Chartreuse de Parme
Superfluffiger Hefekranz mit Topfenfüllung …
Topfen (Quark) darf in meinem Kühlschrank nie ausgehen. Zum Frühstück streiche ich statt Butter frischen Magertopfen aufs Marmeladenbrot oder mische ihn mit Avocado und Kürbiskernen, bei Heißhunger verrühre ich ihn mit Beeren. Und auch der Hefekranz wird mit einer Topfenmasse gefüllt sowie mit Pistazien, Rosenzucker und frischen oder getrockneten Rosenblüten.
… und mit Rosenaroma
Die Rosenblüten verleihen dem Hefekranz ein ganz besonderes Aroma. Für die Rosen-Topfenfüllung habe ich in kleine Streifchen geschnittene, taufrische Blüten der Rosa Rugosa – auch Kartoffelrose, Dünenrose oder Sylter Rose genannt – verwendet. Der kräftig pink blühende, recht stachelige Strauch lockt mit seinen zahlreichen ungefüllten Blüten und offen liegenden Staubgefäßen viele Insekten an. Und diese wiederum zahlreiche Vögelchen. Im Herbst bildet diese Rose riesige, apfelförmige Hagebutten aus, die ich zu köstlichem Hagebuttengelee oder -tee weiterverarbeite. Nicht nur zum Backen, auch wegen der Bienen ist daher eine biologische Rosenpflege unumgänglich.
Im Unterschied zum Hefezopf bleibt der Topfenkranz bis zum letzten Stück saftig. Bei uns „hält“ er allerdings nie lange. Ein Stück zum Frühstück, eines als Nachtisch, dann zum Kaffee … Und ehe man sich’s versieht, ist er weg. Dabei könnte er – in Folie verpackt – mindestens drei, vier Tage aufbewahrt werden. Hefezopf gibt es bei uns das ganze Jahr über, nicht nur zu Ostern. Mit saisonal wechselnder Füllung: mal mit Mohn, Nüssen oder Pistazien, mit getrockneten Aprikosen oder kandierten Orangen, mit Kirsch- oder Schokoladenfüllung oder einfach nur mit Zimtzucker. Und zur Rosenblütezeit eben mit Rosen.
Darf man Kuchen aus der Hand essen?
Sonntagnachmittag verziehe ich mich gerne mit einem Buch, einer Tasse Kaffee und einem Stück Kuchen in der Hand in den Garten. Ich liebe schönes Geschirr, besonders skandinavisches Design. Aber im Garten darf rumgebröselt werden. Zur Kaffeejause am Esstisch werden die Teller passend zum Kuchen gewählt. Je bunter das Essen, desto schlichter die Teller. So halte ich es meist. Mit entsprechender Blütendekoration passt beim Hefekranz auch helles Geschirr. An der weißen Nordal-Keramik mit blauem Rand konnte ich nicht vorbei. Eine Erinnerung an die Blechteller meiner Kindheit. Nordal-Geschirr gibt es in Wien beispielsweise bei Nanna oder Hannibal.
Nächste Woche geht’s nach Persien – mit einem Garten- und Rosen-Reisebericht. Eure sugar&rose
Wer Ostern bereits in Frankreich war, hat so einen Pralines-Roses-Brioche vielleicht schon gesehen. Wie der Osterstriezel hierzulande gehört der mit rot gefärbten gebrannten Mandeln gefüllte Brioche rund um Lyon zur österlichen Tradition. Lange schon wollte ich so einen wunderschönen Briochezopf selber backen, allerdings sind Pralines Roses bei uns nicht gerade leicht zu finden. Also habe ich kurzerhand selbst welche fabriziert. Und sie sind gleich beim ersten Versuch perfekt geworden. Wie’s geht, zeige ich euch in einer Schritt-für-Schritt-Anleitung. Pralinies Roses werden in Frankreich nicht nur als Briochefüllung verwendet, sondern auch für Cremen und Desserts. Oder man nascht sie einfach so. Achtung: Suchtgefahr!
Als Pralinen oder Pralinés bezeichnen wir in Wien eher kleine, mit Ganache, Nüssen oder Likör gefüllte, Schokoladendinger. Die französischen Pralines Roses sind hingegen nichts anderes als gebrannte Mandeln – mit rot gefärbtem Zucker. Eine sündhaft leckere Knabberei, die man sich eher nur einmal jährlich erlaubt. In Frankreich vor allem rund um Ostern. Ich habe gleich eine größere Menge Mandeln überzogen. Die Hälfte brauche ich für den Briochestriezel, die andere kommt auf den Ostertisch zum Knabbern. Das heißt, falls bis dahin noch welche übrig sind.
Pralines Roses selber machen
Eigentlich keine Hexerei, stelle ich fest. Ungeschälte Mandeln, Wasser, Zucker, rote Lebensmittelfarbe und für den Geschmack Orangenwasser. Allerdings habe ich kein Orangenwasser, dafür habe ich stets Rosenwasser im Haus. Ich finde es passt sogar besser! Zum Färben nehme ich die lang haltbaren und sehr ausgiebigen Wilton-Gelfarben, die ich auch zum Färben von Cremen und Fondants verwende.
Zopfflechten will gelernt sein. Im Unterschied zum hohen Sechser ist der Vierer ein flacher Hefezopf. Einsteigern empfehle ich erst mal mit einem Vierer zu beginnen. Auch ich tue mir mit dem Sechser immer noch schwer.
Zunächst wird der Teig in vier gleich schwere Teile geteilt. Diese werden zu Kugeln „geschleift“ und mit gehackten Pralines Roses gefüllt.
Aus den gefüllten Teiglingen werden vier gleichlange Stränge geformt. (Zur besseren Übersicht habe ich sie mit Hölzchen markiert.)
Die Stränge werden nun an der Oberkante fest aneinander gedrückt.
Der ganz rechts liegende Strang I wird über den daneben liegenden Strang II gelegt.
Nun wird der ganz links liegende Strang IIII unter den Strang III gelegt …
… und weiter über den Strang I darüber.
Die Schritte 3–5 wiederholen.
Jeweils rechts über den Strang, links unter den Strang, bis die Stränge aufgebraucht sind.
Danach die Enden zusammendrücken und nach unten einschlagen.
Der fertige Zopf wird an der Oberfläche mit etwas Wasser bestrichen, damit er nicht austrocknet und darf dann nochmals gehen. Vor dem Backen den Striezel noch kräftig mit Eigelb-Milch-Mischung einstreichen und mit Hagelzucker bestreuen und im Rohr etwa 25 Minuten backen.
Pralines-Roses-Brioche – Gaumenschmaus und Augenfreude
Von außen ist die besondere Füllung nur an einigen aufgerissenen Stellen zu erkennen. Beim Anschneiden des Briochezopfes zeigt sich die wahre Schönheit. Die knallroten gebrannten Mandeln strahlen förmlich um die Wette aus dem Pralines-Roses-Brioche heraus.
Mit dem feinen, flaumigen, rot getupften Hefezopf wünsche ich euch eine schöne Karwoche, hoffentlich ohne Osterstress. Eure sugar&rose
Langsam neigt sich die Fastenzeit dem Ende zu, streng genommen erst am Ostersonntag in der Früh. Aber so genau wollen wir das gar nicht wissen, oder? Lockt die Osterzeit doch bereits mit besonders feinen Backrezepten. Süße Osterlämmchen, Osterhasen, Osterpinzen und Striezel. In meiner Familie gehört zum Osterfrühstück traditonellerweise neben dem Eierpecken ein frisch gebackener Osterstriezel, ein fluffiger, dezent süßer und selbst geflochtener Germteigzopf. Und dann gibt es da in Westösterreich noch die Tradition des God’nkipfels für die Patenkinder, die ich wieder eingeführt habe.
Ich liebe süßen Germstriezel – oder wie auch immer er regional bezeichnet wird: Brioche, Hefezopf, Stuten. Auch mit Rosinen. Aber mein Mann kann sie nicht ausstehen. Und ich kann es nicht ausstehen, wenn er Rosine um Rosine aus dem Striezel pickt. Also bleiben sie weg. Ich könnte wahrscheinlich tagtäglich so ein Stück Striezel zum Frühstück essen. Aber wegen Kalorien und so … Ostern ohne Osterstriezel aber ist undenkbar! Noch ein Striezelrezept, werdet ihr vielleicht sagen. Es gibt doch schon unzählige im Netz. Aber ich schwöre auf unser seit Generationen erprobtes Familienrezept. Darin befindet sich neben einer kräftigen Portion Rum und Zitronenabrieb auch Orangengeschmack. Und in meinen Striezel kommt nur frische Hefe, auch wenn ich sonst meist mit Trockenhefe backe. Ein Germwürfel auf 500 g Universalmehl. Das macht ihn super flaumig. Ob mit Hagelzucker, Mandelblättchen oder unbestreut, egal. Hauptsache frisch. Germteig schmeckt am Tag des Backens einfach am besten.
Das Flechten eines Vierer-Zopfes beherrsche ich perfekt, mit dem Sechser tue ich mir immer noch schwer. Meine Oma beherrschte das blind. Mir geraten ab der Mitte immer wieder mal die Stränge durcheinander. Ich müsste mir wohl öfter einen Striezel gönnen. Aber ich halte es wie beim Handarbeiten: Auftrennen? – Niemals! Nach dem Bestreichen mit Eigelb und dem Bestreuen mit Mandelplättchen und Zucker sieht man es ohnehin nicht mehr. Naja, zur Spitze hin ist er etwas dünner geworden … Wie das Flechten eines Striezels mit sechs Strängen perfekt gelingt, zeigt euch am besten ein Profi wie Christine Egger.
God’nkipfel
Zweimal im Jahr, zu Ostern und zu Allerheiligen, ist in Oberösterreich „God’ntag“. Da bekommt das Patenkind von den Taufpaten einen Germstriezel. Zu Ostern – meist am Ostermontag – das traditionelle „God’nküpfi“, einen kunstvoll geflochtenen Hefezopf in der Form eines großen Kipfels. Zu Allerheiligen gibt es den „Allerheiligenstriezel“. Gleicher Teig, andere Form. Meine Oma erzählte, dass früher die Godn noch eine Münze in das Kipferl steckte. Dazu gab es ein paar gefärbte Eier. Erst nach der Firmung wurde die Godn aus ihren Verpflichtungen entlassen. Vor einigen Jahren habe ich diese alte Tradition, die ich als Kind immer herbeigesehnt hatte, wieder aufleben lassen. Im Gedenken an meine „Goli“, die ich sehr gemocht habe. Mein mittlerweile erwachsenes Patenkind wird von mir seither zu Ostern mit einem kleinen, selbst geflochtenen „God’nküpfi“ beschenkt. Sie liebt den Brauch ebenso wie ich. Und ich freue mich auf ihren Besuch.
Osternest und Osterkranzerl
Weil der Rest der Familie zu Ostern auch beschenkt werden will, backe ich meist noch kleine Briochekranzerl mit. Osternesterl mit je einem bunten Ei in der Mitte, heuer pastellfarben. Festtags- und Brauchtumsgebäck hatte immer schon eine figurale Gestaltung. Weil es Hefegebäck mittlerweile das ganze Jahr über zu kaufen gibt, sind die Ursprünge und Anlässe für die Feiertagsbäckereien nahezu in Vergessenheit geraten.
Und ich habe noch ein wunderbares Osterbrioche-Rezept für euch. Es folgt im nächsten Blogpost. Vielleicht habt ihr es bereits auf Instagram gesehen? Bis bald, eure sugar&rose